Kriege Ost-Busslands. 277
demselben Tage (26. August 1395), wo die Einwohner von Moskau demabsichtlich aus Wladimir herbeigeholtem Wladimirschen heiligen Mutter-Gottes-Bilde entgegen zogen. Tamerlan zog nach Assio, und weiternach Astrachan, plünderte sie aus, verwüstete im Winter die KiptschakerHorde ganz furchtbar, schwächte sie dadurch noch mehr, und kehrtedann nach Inner-Asien zurück.
Nach dieser Verwüstung wurde die Goldene Horde auf lange nichtmehr für Ost-Russland gefährlich. In den folgenden 12 Jahren wird inden Chroniken nur 3 mal von unwichtigen Scharmützeln zwischenTataren und Bjäsanzern berichtet. Wassilji begab sich nicht in dieHorde und zahlte keinen Tribut, sich damit entschuldigend, dass dasLand äusserst entvölkert sei. Inzwischen wurde Tochtamysch ausder Horde vertrieben durch Einen aus Baty's Geschlecht, Timur-Kutluk, und dieser wieder musste, nach furchtbaren inneren Kämpfen2 Nebenbuhlern weichen. Endlich, im Jahre 1408, als, ähnlich wie einstMamai, der Feldherr Edigei alle Angelegenheiten der Horde ver-waltete, wollte dieser Letztere Wassilji an seine Tributpflicht gegendie Horde erinnern. Da er aber nicht wagte, offen und direkt gegenMoskau vor zu gehen, so nahm er seine Zuflucht zur List, — der Waffedes Schwachen —, von der er allein Erfolg hoffte und zugleich den Russennicht im freien Felde zu begegnen hatte. Er liess Wassilji wissen, dasser gegen Witoft zöge und rückte denn rasch auf Moskau. Wassilji,wirklich ahnungslos überrascht, eilte mit Frau und Kindern nach Ko-stroma, die Vertheidigung von Moskau dem Fürsten Wladimir An-drej ewitsch und seinen Brüdern Andrei und Peter übertragend.In Moskau brachen wieder Unordnungen aus, die Vorstädte wurdenniedergebrannt. Vor Moskau angelangt und es rings einschliessend ent-sendete Edigei wie gewöhnlich Korps nach allen Seiten, welche dienäheren und entfernteren Dörfer und Städte plünderten, wobei eineMenge von Einwohnern durch die Tataren oder durch die scharfe Kälteumkamen (es war zu Anfang des Winters). 34000 Tataren wurden vonEdigei zur Verfolgung Wassilji's abgesendet, konnten ihn aber nichtmehr einholen. Da er weder Mauerbrecher noch Feuerwaffen mit sichführte, so befahl Edigei dem Fürsten von Twer mit einem Heere undGeschützen zu ihm zu stossen, er selbst aber, der Unfälle Tochta-mysch's eingedenk, und um seine Leute zu schonen, — namentlich dadie Moskauer schon mit grobem Geschütz von den Mauern des KremlSchossen, unternahm keinen Sturm, sondern war entschlossen die Be-lagerten durch Hunger zur Uebergabe zu zwingen, und blieb so einenganzen Monat vor Moskau liegen. Indessen trafen die TwerschenTruppen nicht bei ihm ein, sondern drangen von Klin nach Twer vor,und aus der Horde erhielt er den Befehl, ungesäumt dorthin zurück zu
& a 1 i t z i n , Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. 19