Kriege Ost-Busslands. 273
Pischtschali (Büchsen) und Tjufjaki (Flinten), deren hier zum erstenMale Erwähnung geschieht. Das ging so 3 Tage fort, und da To ch ta-rn y seh keinen Erfolg sah und keine Hoffnung hatte, den Kreml mitGewalt zu bekommen, so griff er zu einer echt tatarischen List: am 4.Tage (27. August) erschienen die vornehmsten Fürsten der Orda nebstden beiden Söhnen des Fürsten von Nishegorod vor den Mauern desKreml und redeten auf die Belagerten ein, dass sie Tochtamyschhereinlassen und ihn nicht fürchten sollten, denn er zöge gegen Di-mitrji und nicht gegen sie und würde ihnen kein Uebles zufügen, son-dern Frieden geben, was die nishegoroder Prinzen mit einem Eide be-schworen. Die Belagerten trauten ihren Worten, öffneten die Thore, undihre besten Männer, 0 s t e i an der Spitze, zogen mit Kreuzen und Ge-schenken heraus. Die Tataren aber führten zuerst Ostei in ihr Lager,dort erschlugen sie ihn, und dann drangen sie in den Kreml ein undplünderten ihn total aus, machten die Einwohner zum grössten Theil nie-der und führten den Rest gefangen fort.
Danach schickte Tochtamysch Heerhaufen in die FürstenthümerMoskau und Wladimir und verheerte diese aufs Grausamste. Jurjew,Swenigorod, Moshaisk, Borowsk, Rusa, Dmitrow, Perejaslawl wurden ge-nommen und geplündert, ebenso alle Dörfer und Weiler. Fürst Michaelvon Twer schickte grosse Geschenke an Tochtamysch und rettetedamit sein Land ebenso wie die Fürsten von Mshegorod und Bjäsan; dieganze Wuth Tochtamysch's wendete sich auf die Provinzen desGrossfürsten.
Während dessen hatte Letzterer Truppen in Kostroma gesammelt,und auch Fürst Wladimir Andrejewitsch hatte zahlreiche Truppenbei Wolok-Lamski zusammengebracht. Einer der tatarischen Heerhaufenstiess unvermuthet auf die Letzteren, wurde geschlagen, und die Tatarenbrachten erschreckt die Meldung von einem grossen russischen Heerebei Wolok an Tochtamysch. Nun stellte es sich klar heraus, wie sehrdie Tataren seit der Schlacht von Kulikowo die Russen fürchteten.Tochtamysch zog sofort alle seine Corps heran und eilte zurück.unterwegs noch Kolomna nehmend und ausraubend und alles rjäsanscheLand verwüstend. Dieser Einfall war den Fürstenthümern Moskau undWladimir theuer zu stehen gekommen: Alles war verheert und geplün-dert, die Einwohner erschlagen oder gefangen (im Kreml allein waren24000 Menschen umgekommen).
Die Fürsten von Nishegorod, Rjäsan und Twer hatten sich bei dieserGelegenheit von einer höchst ungünstigen Seite gezeigt, indem sie ihrGebiet gesichert, dadurch aber die Länder Dimitrji's ins Verderbengebracht hatten. Michael von Twer begab sich 1383 sogar heimlich indie Orda, um für sich die Grossfürstenthümer Wladimir und Nowgorod