Kriege Ost-Kusslands. 271
westlich vom Kulikowoer Felde gestanden. Als er von der Nieder-lage und Flucht Mamai's hörte, wendete er um und eilte nach Lithauen.Oleg von Rjäsan schloss sich dieser Flucht an, kehrte aber bald wiederzurück, that wieder Abbitte, — und Dimitrji verzieh ihm grossmüthig,gab ihm seine Provinz wieder und schloss sogar ein Schutz- und Trutz-Bündniss mit ihm ab.
Das war die grosse Schlacht von Kulikowo, deren es, nachden Worten der Chronisten, bis dahin noch keine ähnliche in Russlandgegeben hatte. Ja selbst in West-Europa waren im Alterthum wie imMittelalter nur wenige gleich grosse vorgekommen, so die Schlacht aufden catalaunischen Feldern, wo der furchtbare Attila geschlagen wurde,und bei Tours in Frankreich, wo Karl Martel die Mauren besiegthatte. Und gleich wie jene beiden Siege West-Europa vor den schreck-lichen asiatischen Eroberern gerettet hatten, so errettete der von Kuli-kowo Ost-Russland vor Mamai's Einfall. Freilich war dieser Siegtheuer erkauft und trug in der Folge nicht die Früchte, welche die Zeit-genossen davon erwartet hatten, aber er hatte doch unzweifelhaft denwohlthätigsten Einfluss auf das fernere Geschick Ost-Russlands. Er be-seitigte daselbst den Glauben an die Unbesiegbarkeit der Tataren, fachteden Wunsch nach Befreiung von ihnen und nach Wiedererlangung derSelbstständigkeit noch stärker an, und indem er Dimitrji, welcher denBeinamen Donskoi erhielt, mit wohlverdientem Ruhme umkleidete,gab er in den Augen der Zeitgenossen dem Geschlechte AlexanderNewski's und Johann Kalita's auf dem Moskauer GrossfürstlichenThrone einen ungewöhnlichen Glanz.
Mamai, mit den Trümmern seines Heeres in die Orda zurückge-kehrt, brachte neue Aufgebote zusammen, um nochmals gegen Di-mitrji zu ziehen. Tochtamysch aber, ein Abkömmling von Dshu-t s c h i' s ältestem Sohne 0 r d u und Gefährte T a m e r 1 a n' s , welcher ihnzum Khan der Goldenen Horde ernannt hatte, griff Mamai bei demKalka-Flusse (demselben Flusse, an welchem die russischen Fürstenzum ersten Male mit den Mongolen zusammengestossen und von ihnenbesiegt worden waren, im Jahre 1224) an, schlug ihn und setzte sich inSarai und Kiptschak als Herrscher fest. Mamai floh nachKaffa in Tau-rien, wo die Genuesen ihn ermordeten.
Nachdem Tochtamysch in Sarai die Regierung angetreten,schickte er Gesandte nach Moskau mit der Anzeige davon an Dimitrjiund die russischen Fürsten, und forderte zugleich, dass sie ihn als Ober-haupt anerkennen und Tribut zahlen sollten. Sie empfingen die Gesandtenmit Ehren und entliessen sie mit Geschenken, nach Sarai aber begabsich Niemand von ihnen. Im Jahre 1381 sandte Tochtamysch aufsNeue einen Gesandten Askosj mit 700 Tataren an Dimitrji, sie er-