258 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjäkrigen Kriege etc.
Aber die Streitigkeiten zwischen den Fürsten von Twer und KaschinHessen keinen dauernden Frieden zwischen Michael und Dimitrji zuStande kommen. Der Erstere, auf die Hülfe der Horde und Lithauensrechnend, erklärte 1375 an Dimitrji den Krieg, schickte seinen Statt-halter nach Torshok und ein starkes Heer (Batj) nach Uglitsch. Aberdie erwartete Hülfe erschien weder aus der Orda noch von Lithauen, undinzwischen hatte Dimitrj i ein grosses Heer versammelt und rückte nachWolok-Lamski. Hier stiessen 19 Fürsten mit ihren Truppen zu ihm. unddiese vereinte Heeresmacht zog unter seiner persönlichen Anführung nachTwer, nahm Mikulin, brannte die umliegenden Orte nieder, machte dieEinwohner zu Gefangenen, und belagerte endlich im August Twer, indas Michael sich eingeschlossen hatte. Nachdem er die ganze Stadtmit Pallissaden umgeben und 2 grosse Brücken über die Wolga geschla-gen hatte, schickte D i m i t rj i zu den Nowgorodzen, welche, erfreut, dasssie an Michael Rache nehmen konnten, schon nach 3 Tagen vor Twererschienen. Nun berannten die Belagerer die Stadt mit allen Mitteln,stellten Schanzkörbe auf, warfen Erde rund um die Stadt gegen dieMauern und zündeten die Brücke am Tmaksker-Thor und die Schützen-thürme an. Die Belagerten löschten das Feuer mit grosser Mühe, undals Dimitrji's Heer sich etwas zurückzog, machten sie einen heftigenund erfolgreichen Ausfall, zerstörten oder verbrannten die Schanzkörbeund brachten den Belagerern grosse Verluste an Leuten bei. Aber dieserErfolg konnte Michael nicht viel nützen: sein Gebiet wurde gründlichverheert, die Städte Subzow, Bjelgorod und Gorodok (Staritza) fielen,Hülfe aus der Horde erschien nicht, und die lithauischen Truppen rücktenzwar heran, eilten aber zurück, als sie erfuhren, wie zahlreich Dimi -trji's Heer sei. Nun bat Michael, die letzte Hoffnung aufgebend, end-lich um Frieden und ergab sich auf Gnade und Ungnade an Dimitrji.Infolge dessen kam der Friedensschluss zwischen ihnen auf folgendeBedingungen zu Stande: 1) Michael, als unabhängiger Grossftirstvon Twer, der vom Khan seine Bestätigungs-Urkunde als Grossfürst vonWladimir erhalten hatte, verpflichtete sich für seine Person und seineKinder, sich als den jüngeren Bruder Dimi trji's zu betrachten, ganzgleich des Letzteren jüngerem Vetter Wladimir Andrejewitsch mitDimitrji vereint zu Felde zu ziehen; seine Wojewoden zuschicken,wenn dieser die seinigen entsende; weder Moskau noch das moskauischeGrossfürstenthum zu beanspruchen, noch auch von den Tataren die Gross-fürstenwürde nachzusuchen oder anzunehmen; — 2) Dimitrji seiner-seits verpflichtete sich Twer nicht von den Tataren anzunehmen, ver-langte aber, dass das Fürstenthum Kaschin von Twer unabhängig seinsolle, eine für Moskau sehr wichtige Forderung, — und eine noch wich-tigere bezüglich der Tataren: Frieden oder Krieg mit ihnen zu haben.