Kriege Ost-Kusslands. 257
Dörfer und Weiler nieder, und führte die Bojaren und Bewohnergefangen fort.
Während dessen hatte Olgerd seinen Bruder K e i s t u t mit Truppenin das moskauische Gebiet einrücken lassen. Michael führte Keistutheimlich nach Perejaslawl, das am 6. April belagert wurde. Da er es abernicht einzunehmen vermochte, verfuhr Keistut damit und demnächst auchmit Kaschin, wie Michael mit Dmitrow. Von Kaschin zogen die Ver-bündeten gegen Torshok, bemächtigten sich desselben und Michaelsetzte daselbst einen Statthalter ein. Im Mai aber erschienen die Now-gorodzer in Torshok, welche sich mit Dimitrj i verbündet hatten, ver-jagten Michael's Statthalter, plünderten die twerschen Kaufleute undEinwohner, befestigten die Stadt und erwarteten so Michael. Er er-schien am 31. Mai und forderte die Auslieferung derer, welche die Twe-riten ausgeplündert hatten, sowie die Wiedereinsetzung seines Statt-halters. Die Nowgoroder verweigerten Alles und rückten zum Kampfeaus der Stadt, wurden aber besiegt und flohen theils auf der Strasse nachNowgorod, theils warfen sie sich in die Citadelle von Torshok. DieTweriten zündeten die Vorstadt an, ein heftiger Wind trieb das Feuer indie Stadt, und sie brannte volkommen nieder, während die Einwohnertheils im Feuer oder im Flusse umkamen, theils ausgeplündert und er-mordet wurden.
Indessen hatte Dimitrji Truppen gesammelt, Olger dabei-, umder Rache für den Einfall Keistut's (der sich nach Wegnahme vonKaschin entfernt hatte) zuvor zu kommen, führte zum 3. Mal heimlichund schnell mit einem zahlreichen Heere einen Einfall in die moskauerGrenzen aus. Am 12. Juni vereinigte er sich bei Ljubutzk (unweit Ka-luga) mit dem von Torshok heranziehenden Michael, in der Hoffnung,Dimitrji abermals zu überraschen; doch diesmal täuschte er sich.Dimitrji zog ihm mit starker Heeresmacht entgegen und schlug beiLjubutzk sein Wachtregiment (Nachhut). Olgerd und sein ganzes Heerwurden von Furcht ergriffen und deckten sich hinter einer steilen undtiefen Schlucht. Durch diese getrennt standen beide Heere sich langegegenüber, keins wagte die Schlucht zuerst zu überschreiten, keines ver-mochte das andere dazu zu verlocken. Zudem sehnten beide Theile sichnach Frieden, und so wurde dieser, wenn auch nur auf kurze Zeit —bis zum Dimitrji-Tage (26. Oktober) abgeschlossen. Olgerd verbürgtesich dafür, dass Michael Alles zurückgeben solle, was er auf mos-kauischem Gebiete geraubt habe, seinen Statthalter entferne. und dass,wenn er während des Waffenstillstandes moskauische Weiler plündernwürde, dann die lithauischen Fürsten ihm keine Unterstützung leihensollten. Dimitrji bedingte sich das Recht aus, gegen Michael beidem Khan in der Orda klagbar zu werden.