256 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
6. Dezember eintraf. Dimitrji, welcher noch kein Heer beisammenhatte, schloss sich abermals in den Kreml ein; Wladimir Andrej e-witsch aber stand bei Peremyschl, sammelte Truppen, und mit ihm ver-einigten sich der Pronsker Fürst mit seinen Kriegern, die Truppen Oleg'svon Kjäsan, und sammelten sich auch die von Susdal und andere.Olgerd belagerte den Kreml, wagte aber nach 8 Tagen nicht zum Sturmzu schreiten und begnügte sich mit Einäscherung der Vorstädte und Ver-wüstung des Landes, dann aber bot er, befürchtend, dass die bei Pere-myschl gesammelten moskauischen Truppen ihn einschliessen könnten,und da plötzlich ein zu dieser Jahreszeit ungewöhnliches Thauwetter ein-trat, auch die feindlichen Pläne der livonischen Ritter ihm Sorge machten,dem Dimitrj i den Frieden an. Dieser aber willigte nur in einen Waffen-stillstand bis zum St. Peterstage des folgenden Jahres 1371, und Olgerdzog nach Lithauen zurück, mit äusserster Vorsicht, da er fürchtete ver-folgt oder plötzlich überfallen zu werden.
Michael, von ihm im Stich gelassen, wandte sich 1371 an denKhan, doch vergeblich: Dimitrji wurde von Neuem als Grossfürst be-stätigt, eröffnete den Krieg mit Michael von Neuem, und zerstörtedessen Weiler. Aber aus diesem Kriege entspann sich ein anderer mitOleg von Rjäsan. Letzterer hatte schon bei Lebzeiten von Dimitrji'sVater sich dem Streben der moskauischen Grossfürsten nach der Allein-herrschaft lebhaft widersetzt und seine Selbstständigkeit hartnäckig be-hauptet. Er war ein heimlicher Feind auch Dimitrji's, seitdem dieserden moskauischen Thron bestiegen, und das häufig gestörte leidlicheEinvernehmen zwischen Beiden zerriss zu Ende 1371 gänzlich. Im De-zember dieses Jahres schickte Dimitrji ein starkes Heer (Katj) gegenOleg, unter Führung seines Wojewoden Dimitrji Micha'ilowitschBobrok von Volhynien. Oleg rückte diesem mit einem gleichfallsstarken Heere entgegen , wurde aber in dem blutigen Treffen bei Skor-nischtschew in der Provinz Rjäsan mit grossem Verluste besiegt und ent-kam nur mit einer kleinen Schaar. Der Fürst Wladimir von Pronsk,Verbündeter Dimitrji's, besetzte sogleich Rjäsan, wurde jedoch vonOleg vertrieben. Dimitrji aber beglich sich vorläufig mit Oleg, daihn die feindlichen Aktionen Michael's beschäftigten.
Michael, bei der Horde unter Mamai erfolglos, wandte sich 1372abermals an Olgerd um Hülfe, schloss ein Bündniss mit ihm ab, undschickte im Vertrauen auf ihn im Frühjahr seinen Neffen Dimitrji miteinem Heere gegen die Stadt Kistma (das Flüsschen Kesma fällt in dieMolaga etwa IOWerst unterhalb Wessjegonsk, Gouvernement Twer). DieWojewoden dieser Stadt wurden gefangen genommen und nach Twergeführt. Damit nicht zufrieden, rückte Michael selber gegen Dmitrow,nahm dieser Stadt eine Loskaufssumme ab, brannte die Vorstädte.