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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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250 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjäbrigen Kriege etc.

der Dessjatnik den von 10 solchen Kriegern, der Ssotnik den von 2 Des-sjatnik's, der Tyssjatschik (Tausender) den von 3 Ssotnik's, der Temnikoder Emir (deren es 12 Grade gab) je nach seinem Grade von 100010000 Pferdewerthe, der Jurtshi von 1001000 u. s. w. Ausser demSolde erhielten die Krieger für Auszeichnungen noch Belohnungen, be-stehend in lobender Erwähnung , Gehaltszulage, Rangerhöhung, Ver-leihung von ehrenden Beinamen, z. B. Bagadur, oder Bagyr (derTapfere) u. s. w.

Die Erwählung zum Feldherrn, die Ernennung und Macht desselbenwaren durch Gesetze bestimmt. Zum Dessjatnik wurde 1 von 10 auser-lesenen Kriegern gewählt, nach Zustimmung seiner 9 Kameraden; zuden übrigen Chargen ernannte der Oberfeldherr. Jeder Kriegsobersterhatte seinen Gehülfen oder Vertreter, der im Nothfall an seine Stelletreten konnte. Die Kriegsobersten hatten Macht, die Untergebenen ausdem Dienste zu entfernen, wegen Störung der militairischen Ordnung.

In Tamerlan's Heeren ist eine gewisse reguläre und gleichmässigeOrganisation zu erkennen. Die Polki (Regimenter, Heerhaufen) zeich-neten sich durch die Farben der Waffen und Fahnen aus, grün, gelb,weiss u. s. w., ausserdem theilten sie sich nach der Art der Ausrüstung, Panzer, Panzerhemden, Streitkolben u. s. w.

Für das Verhalten im Kampfe waren besondere Kriegsordnungennach der Zahl der Truppen festgesetzt. Ein Corps, das nicht über 12000Mann stark war, zerfiel für den Kampf in 9 Abtheilungen, von denen 2die Avantgarde und die vordersten Wachen, je 3 in 2 Linien aufgestellteAbtheilungen den rechten und linken Flügel bildeten, und der letzte 9.Theil, wahrscheinlich nicht weniger als 1 / i des ganzen Corps stark, inArt einer Reserve zurückgehalten blieb. Ein grosses Corps, bis zu 40000Reitern stark, theilte sich in gleicherweise, aber beide Flügel bestandenaus 4 Linien, und die Reserve aus 3. Für eine Armee von über 40000Mann Reiterei wurden noch mehrere Linien förmirt*).

Vortruppen und Avantgarde eröffneten das Gefecht, durch leichteCavallerie und heftiges Schiessen mit Bogen und Werfen von Speerenversuchend den Feind zu erschüttern. Mussten sie unterstützt und ver-stärkt werden, so wurden allmählich Truppen aus den innern , dann ausden äusseren Flanken beider Flügel ins Gefecht gezogen , zuletzt auchdie Reserve, welche,aus auserlesenen Kriegern und schwerer Reitereibestand und gewöhnlich den Kampf zur Entscheidung brachte.

*) Der ehemalige Kasansche Professor Erdmann nahm an, dass die vordemLinien beider Flügel Theile der Avantgarde ausmachten, aber auf den Flanken zu-rückgebogen standen. Jedenfalls bestanden die Avantgarde und die vordersten Li-nien der Flügel aus leichter Cavallerie, welche den Kampf einleiteten und begannen.