248 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Khan von Sarai, Ulu Machmet, der aus Sarai verjagt war, Bjelews,von wo ihn jedoch Wassilji's Truppen vertrieben; er ging nun nachder Kama-Wolga-Bolgarei, baute dort die zerstörte Stadt Kasan neu auf,gründete ein neues besonderes Khanat Kasan, und erklärte an Was-siljill. den Krieg. Wassilji rückte ihm entgegen, wurde aber ge-schlagen und gefangen genommen (1443), bald aber gegen reiches Löse-geld wieder freigegeben.
So zerfiel um die Mitte des 15. Jahrhunderts das ungeheure vonBaty gegründete Beich in 3 grosse von einander unabhängige Horden,die Grosse oder Goldene in Kiptschak und Sarai, die Krymhorde in Tan-nen, und die Kasansche Horde in Kasan und der Kama-Wolga-Bolgarei.Die Erstere nahm das Becht der Herrschaft über Ost-Bussland, in An-spruch. In diesem Zustande fand Wassilji's IL Sohn, Johann IIL rdasselbe bei seiner Thronbesteigung vor (1462).
In dem Zeiträume von 200 Jahren, von der Mitte des 13. bis zurMitte des 14. Jahrhunderts, hatten die Mongolo-Tataren') mehr oderweniger die Kriegsverfassung und das Heerwesen beibehalten, welchesDschingiskhan eingeführt und in seiner Gesetzsammlung, der Jassa reingezeichnet hatte, welche bei den Mongolen in demselben Ansehenstand, wie der Koran bei den Mohamedanern. Die Einzelheiten sind be-reits im 2. Theile, Kapitel VIII, §. 69—70, angegeben, es ist also über-flüssig sie hier zu wiederholen. Dagegen sollen in aller Kürze die Heeres-einrichtungen und Bestimmungen des andern, letzten, und nicht wenigerals Dschingiskhan merkwürdigen und berühmten Eroberers vonMittel-Asien, Timurbek oder Timurleng, in Europa Tamerlan ge-nannt, angeführt werden. Der grösste Theil seiner Eroberungen ward inAsien vollbracht, seine Feldzüge aber: 1391 in der Goldenen Orda gegenTochtamysch, und 1395 in Ost-Bussland bis zu den Don-Quellenhängen mit der Kriegsgeschichte des Letzteren eng zusammen.
Tamerlan war 1333 in der Umgegend der Stadt Kesch oderKar seh, südwestlich von der Bucharei geboren, wo sein Vater einTheil-Eeich, einen Landstrich beherrschte. Die Genealogen Tamerlan'sführten zur Zeitj seines Buhms seine Herkunft in der weiblichen Linieauf Dschingiskhan zurück. Nach seines Vaters Tode und nach er-langter Volljährigkeit Jftihrte er beständige Kriege mit den Nachkommen
*) Da Dschingiskhan und seine Nachfolger Mongolen waren, so werdenbis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, wo sein Geschlecht erlosch und sein Beich zer-fiel, die Eroberer von Ost-Kussland richtiger Mongolen genannt, — vom 15. Jahr-hundert an aber Tataren, weil schon Jenes und seiner Nachfolger Schaarenhauptsächlich aus tatarischen Völkern bestanden. In unsern Chroniken heissen sieTataren seit Beginn ihrer Unterwerfung von Ost-Russland.