246 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjübrigen Kriege etc.
Sarai', in der Art der hölzernen Stadt Attila's an der Mündungder Theiss in die Donau, erbaut. Von hier aus herrschte er seit 1243 undnach ihm seine Nachfolger über Ost-Russland in dem Namen des Gross-oder Hauptkhans in der Mongolei, zu Karakorum, zwischen den FlüssenOrchon und Tamyr. Diese Abhängigkeit aber war ohne Bedeutung undnur nominell, auch von kurzer Dauer. Die goldene Horde ward ganzselbstständig und unabhängig, ihre Khans gehörten bis Ende des 14.Jahrhunderts dem Geschlechte Dshutschi's an, des ältesten SohnesDschingiskhan's. Der erste war Baty, Dshutschi's ältester Sohn,welcher die Herrschaft der Mongolen über Ost-Russland befestigte (1243);der 2. dessen zweiter Bruder Berkai, unter dem das ganze russischeVolk einer Kopfsteuer unterworfen wurde (1256); als 3. folgte der dritteBruder, Mengü-Temir, welcher den ersten Anstoss zur Annahme desmuhamedanischen Glaubens durch die ganze Horde gab; der 4. warBaty's 2. Sohn, Tudä-Mangu, welcher in Sarai und dem östlichenTheil der Goldenen Orda herrschte, während deren westlicher Theilzwischen Don und Dnjestr von dem 4. jüngeren Bruder Baty' s , NamensN o g ai (bis 1291) beherrscht wurde. Dieser Letztere besiegte und tödteteden Tu da- Mang li und brachte die ganze Goldene Horde unter seineBotmässigkeit, wurde aber nach 3 Jahren durch Mengü-Temir' s SohnTochtai oder Tochtaga verjagt. Des Letzteren Nachfolger war seinSohn, der berühmte Usbek, der Begründer der Usbeken und Beschützerder moskowiter Fürsten. Nogai's Nachkommen setzten sich in Taurienfest, wo sich in der Folge ein besonderes, das Krymkhanat bildete.
Die Goldene Horde, über 1 Jahrhundert in den Steppen der unterenWolga nomadisirend, hatte ihre alten Sitten und Gewohnheiten eineshalbwilden, von dem Tribute der unterworfenen Völker lebenden undunersättlich habgierigen Nomadenvolkes, beibehalten. Obgleich sie deralte feurige kriegerische Geist nicht mehr beseelte, so hatte sie doch ihrefrühere Kriegsorganisation Dschingiskhan's nicht geändert und warnoch immer mächtig und den unterworfenen oder benachbarten Völkernund Reichen furchtbar, besonders aber für Ost-Russland. Aber die in-neren, schon unter Baty's ersten Nachfolgern in der 2. Hälfte des 13.Jahrhunderts beginnenden Zerwürfnisse und Kriege hatten allmählichzugenommen und sie so geschwächt, dass um die Mitte und besondersdas Ende des 14. Jahrhunderts die moskauischen Grossfürsten schon aufBefreiung Ost-Russlands von dem Mongolenjoche sinnen konnten. Ganzbesonders energisch verfuhr zu diesem Zwecke der Enkel Johann'sl.Kaiita, Dimitrji Johannowitsch, zu derselben Zeit als in derGoldenen Horde nach furchtbaren inneren Fehden der Feldherr Mamai(1370) alle seine Rivalen überwältigt hatte und unter des Khans Mamat-Saltan Namen zu regieren begann. Acht Jahre später, 1378, schlug