Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
244
Einzelbild herunterladen
 

244 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

ung, der Adel Forderungen an den König, bei deren Nichterfüllung ersich weigerte, gegen den Feind zu ziehen.

Ausser den adligen Opoltschenien gab es in Polen noch wie früherWerbeheere und gemiethete Söldner. Da aber wegen der Unordnung inden Finanzen es oft an Geld zur Besoldung mangelte, so traten auchhier dieselben Folgen ein, wie in West-Europa und überall.

Die Kriegsverfassung der Truppen im Allgemeinen, das Heerwesenselbst stand zu dieser Zeit etwa auf der gleichen Grundlage wie im ge-sammten West-Europa, persönliche, an Landbesitz geknüpfte, unge-nügende Dienstpflicht des Adels und der Grundbesitzer, unter Be-theiligung der Städte und der Landbevölkerung, welche in schwererBotmässigkeit unter dem Adel und Gutsbesitzer stand, und Verstär-kung dieser Art von Zeit-Aufgeboten durch Werbe- und Miethstruppen,mit allen Mängeln derselben. Und auch das Kriegswesen Polens in dieserZeit bietet viel Aehnlichkeit mit dem West-Europa's, wobei zugleich derEinfiuss der damals noch sehr unvollkommenen Feuerwaffen sich geltendmacht. Die Vervollkommnungen auf den verschiedenen Gebieten desKriegswesens und der Kriegsorganisation Polens traten erst später, Endedes 15. und besonders im 16. Jahrhundert ein. Da allerdings gewinnensie grosse Bedeutung und Wichtigkeit in Bezug auf die KriegsgeschichteOst-Kusslands, während zu dieser Zeit Polen noch im Kampfe nicht mitdiesem, sondern mit West-Pussland oder dem Grossfürstenthum Lithauenund Kussland lag, das gewaltsam mit Polen vereinigt, aber durchausnoch nicht mit ihm verschmolzen war.

§. 163.Mongolo-Tatar en.

Von ungleich grösserer Wichtigkeit und Bedeutung als Schweden,die livländischen Ritter, Polen und Lithauen, waren für Ost-Russlandin dieser Periode dessen hauptsächlichste äussere Feinde im Osten undSüden, die Mongolo-Tataren"), welche, wenn auch weit schwächerals in der ersten Periode, noch die Herrschaft über dieses Land ausübten.

Es ist bekannt, dass die Eroberungen Dschingiskhan's und seinerersten Nachfolger in 4 von einander unabhängige Khanate zerfielen.China, Mantschurei, Korea, ein Theil von Indien und die eigentlicheMongolei bildeten das Ost-Khanat. Der östliche Theil der Kirgis-Horda neuerer Zeit, die Länder von den Quellgebieten des Irtysch undObi bis zum Thian-Schan-Gebirge und weiter nach Süden bis zum Hi-

*) Ueber die Benennung Mongolen und Tataren siehe die spätere Be-merkung.