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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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242 III- Von Einführimg der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

schädigte diese der unbeständige Charakter Wladislaw Jagello's,seine Schwäche für Günstlinge, Nachsichtigkeit gegen den Adel, und be-sonders seine maasslose Verschwendung, welche den Staatsschatz derarterschöpfte, dass häufig der Sold an die Truppen nicht ausgezahlt werdenkonnte. Neue Festungen wurden nicht erbaut, die alten nicht unterhaltenund ausgebessert, die Disziplin im Heere gerieth in gänzlichen Verfall,Räuberbanden plünderten und verheerten die Provinzen, und derKrieg mit dem deutschen Orden hatte, trotz der numerischen Ueberlegen-legenheit der polnischen Heere und ihres Sieges bei Tannenberg (1490),meist keine wichtigen und für Polen günstigen Eesultate.

Unter Wladislaw'sII. Jagello's Sohn und Nachfolger, Wladis-law III. (14341444), König von Polen und Ungarn, unter dessen Re-gierung die ersten Kriege zwischen Ungarn und Türkei fallen, und derselber in der Schlacht von Varna (1444) gegen Sultan Murad I. seiuLeben verlor, geschah Nichts von Bedeutung und Nutzen für die Kriegs-verfassung Polens. Nur ward auf dem Reichstag zu Kortschina (1436)beschlossen, dass Jeder für einen Feind des Vaterlandes angesehen wer-den solle, der für eine persönliche Beleidigung nicht nach den Landes-gesetzen , sondern mit den Waffen in der Hand auf eigne Faust Genug-thuung suche. Diese Bestimmung aber trug keine besseren Früchte alsdie ähnlichen in Deutschland (der Landfriede) und in Frankreich (la paixgenerale) und bewies nur, dass Polen an demselben Uebel, aber noch inhöherem Maasse litt, als die westeuropäischen Staaten, nämlich an demHader der politischen Parteien und besonders der vornehmeren undmächtigen Magnaten, bei gleichzeitig äusserster Ohnmacht der könig-lichen Gewalt.

Der Bruder und Nachfolger endlich von Wladislaw III. , Kasi-mir IV. (14441492), Grossfürst von Lithauen und Russland und Königvon Polen, versagte 6 Jahre nach seiner Thronbesteigung dem polnischenAdel die Bestätigung seiner Privilegien, und zwar deshalb, weil dieservon ihm einen Schwur verlangte, welcher den an Lithauen gegebenenVersprechungen direkt zuwiderlief. Aus Gefälligkeit gegen Letzteresvereinigte er das Fürstenthum Luzk mit demselben; als aber Polen undLithauen sich gegenseitig mit Krieg bedrohten, erkannte er endlich(1453) die Vorrechte des polnischen Adels an, umsomehr, als die Un-ruhen in Preussen eine günstige Gelegenheit zur Erfüllung der Ansprüchedes Adels hinsichtlich Rückgabe der abgetrennten polnischen Provinzenboten.

Auf diese Weise bietet seit Kasimirs III. des Grossen Tode i. J.1370 bis 1453 die Kriegsorganisation, oder besser gesagt DesorganisationPolens ein trauriges Bild, in Folge der inneren und äusseren Kriege, derSchwäche der königlichen Gewalt und der dagegen ins Maasslose ge-