Gleichzeitige Naehbar-Eeiche und Völker. 241
Lithauen einführe, (er war, gleich seinen Brüdern, Anhänger der griechi-schen Kirche). Dies geschah i. J. 1386 zu Krakau: Jagello trat zumrömischen Glauben über, verpflichtete sich, ihn auch in Lithauen einzu-führen, Letzteres mit Polen zu vereinigen, und die polnischen Gesetzezu beobachten, und dann vermählte er sich mit Hedwig und wurde alsWladislaw IL zum König gekrönt. Im §. 159 wurde bereits gesagt,welches die nächsten Folgen dieser gewaltsamen Verbindung von Lithauenund Polen waren, nämlich der hartnäckige Widerstand des Ersteren undseiner Fürsten Withold oder Witoft, Swidriga'il oder Skirgail,und Sigismund's, des Bruders von Withold, bis der 2. Sohn Jagel-lo's, der Grossfürst von Lithauen und Bussland Kasimir IV.(1445 — 1492) den Thron von Polen bestieg, welcher in die Annahmedieses Thrones einwilligte, unter der Verpflichtung jedoch, welche er demHthauischen Volke gegenüber einging, die Verbindung von Lithauen undPolen nicht anzuerkennen, die kirchlichen und staatlichen Rechte desErsteren zu bestätigen, und demselben Volhynien und Podolien zurück-zugeben.
Bei diesem Gange der Geschichte Polens gerieth dessen Kriegsor-ganisation, welche sich unter Wladislaw I. Lokotka(1305—1333)eigenartig entwickelt hatte und durch ihn und seinen Sohn Kasimir III.den Grossen bedeutend vervollkommnet wurde, in dem Zeitraum vondes Letzteren Tode bis zu Kasimir IV. Jagello in grosse Unordnung,in Folge der beständig anwachsenden Macht und Eigenmächtigkeit despolnischen Adels. Ludwig (1370 — 1382), gleichgültig gegen PolensInteressen und nur darauf bedacht, den polnischen Thron einer von seinenTöchtern zu sichern, welche kein Anrecht darauf hatten, wollte den Adelhierfür geneigt machen und befreite ihn ganz ohne Ausnahme auf demBeichstage zu Koschnitz (1374) von Abgaben bis auf 2 Silber-Groschen(30 Kopeken = etwa 90 Pfennige) vom Lehns-Lande, indem er ihm nocheinige andere Privilegien ertheilte. Unter ihm fanden viele der militä-rischen Einrichtungen Ungarns in Polen Eingang. Nach seinem Todei. J. 1382 kam es in Polen noch 4 Jahre lang, bis Ende 1386, zu erbitter-ten inneren Kämpfen und Umwälzungen, ausserdem auch zu äusserenKriegen, besonders mit Jagello von Lithauen, der in Ost-Polen ein-brach und es verheerte (1384). Aber auch während des Letzteren 48jäh-riger Begierung, — als Wladislaw IL, kam die Kriegsverfassungnicht in bessere Ordnung. Die Beilegung der inneren Unruhen in Polen,beständige Anstrengungen, um Lithauen im Bunde mit Polen zu erhalten,den polnischen Thron aber für die Nachkommenschaft WladislawJa-gel 1 o's zu behaupten, und die unaufhörlichen Kämpfe mit dem deutschenOrden um Pomorje oder Preussen, — dies Alles begünstigte nicht eineregelmässige Ausbildung der Kriegsverfassung. Mehr aber noch störte und