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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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240 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

allen damaligen Bitterorden und dem gesammten Feudal -BitterthumWest-Europa's in dieser Periode der eigentlichst sogenannten mittlerenJahrhunderte.

§. 162.Polen.

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts befand sich Polen im Verhältnisszu Ost- und besonders West-Eussland in unvergleichlich schlimmererLage. Zwischen all' den Gewalten und Klassen des Volkes konnte keineEinheit herrschen, sondern gab es nur die grösste Zwietracht. Die Königelagen mit den Päpsten, mit den Kaisern um den Königstitel, mit ihrenAnverwandten um den Thron von Krakau, die Theilfürsten unter einan-der um die Antheile, mit den Königen um ihre Unabhängigkeit von den-selben , mit der Geistlichkeit um die Zehnten, mit den Magnaten um dasBichterrecht, mit den mittleren, städtischen Klassen um Gebuhren undAbgaben im Streite. Das Volk bestand aus eingeborenen Polen, deut-schen Ansiedlern und Eingewanderten, Juden und zahlreichen privilegir-ten Klassen, welche das ausschliessliche Vorrecht des Handels besassen.Jede von diesen hatten ihre eigene Sprache, Sitten und Gebräuche, ihreigenes Becht und Gericht. Die lateinische Sprache war die herrschendeim Gottesdienst, bei den bürgerlichen und gerichtlichen Verhandlungen,in Wissenschaften und Litteratur, aber dem slawischen Volke im slawi-schen Staate gänzlich fremd. Unter solchen Umständen konnte Polen garnicht eine innere feste Macht haben und es bedurfte einer äusseren Stütze,um sich zu behaupten. Diese Stütze hoffte es nach Kasimir's III. desGrossen (1333 1370) Tode in dem benachbarten mächtigen Gross-fürstenthum Lithauen und Bussland zu finden. Kasimir III. hatte 37Jahre weise, glücklich und erfolgreich regiert, da aber mit seinem Todedas Königshaus der Pjasten erlöschen musste, so bewog Kasimir nochbei seinen Lebzeiten seine Magnaten, den polnischen Thron seinem NeffenLudwig, König von Ungarn, anzutragen. Dieser unterzeichnete bei An-nahme des polnischen Thrones zugleich die ihm durch die Magnaten vor-gelegten »pacta conventa«, welche die Bechte des mächtigen hohen polni-schen Adels bestätigten und die königliche Macht beschränkten. DieStreitigkeiten aber ,, welche er bei allen Ständen Polens vorfand, veran-lassten ihn nach Ungarn zurückzukehren, mit welchem er zugleich pol-nisch Galizien vereinigte. Nun erklärten die Magnaten seine jüngereTochter, die 15jährige Jadwiga (Hedwig) zum König und bewogensie mit Hülfe der polnischen Bischöfe, sich mit dem Grossfürsten vonLithauen und Bussland, Jagail oder Jagello, zu vermählen, unterder Bedingung, dass er selber das römische Bekenntniss annehme und in