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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Gleichzeitige Nachbar-Eeiche und Völker. 239

Jahrhunderts Livland in viele kleine Provinzen zerbröckelt war, vondenen die einen dem Erzbischof und den Bischöfen, die anderen den Ordenund dessen verschiedenen Aemtern gehörten.

Die innere Verfassung dieses Ordens war genau dieselbe wie diealler militärisch-religiösen Orden von Anbeginn seit deren Entstehen inWest-Europa zur Zeit der Kreuzzüge. Der älteste derselben warderOrden vom Hospital St. Johannis von Jerusalem, der schon1048 gegründet und später unter dem Namen der rhodisehen, endlichder Malteser Kitter bekannt war. Im Jahre 1118 wurde der Ordenvom heiligen Tempel zu Jerusalem oder der Tempel-Ritter(Templiers) errichtet, welchen 1314 der König Philipp IV. derSchöne von Frankreich aufhob, 1190 der Orden der deutschenRitter, und 1201 dessen Sprössling der Orden der livlän-disehen Ritter, von welchem eben die Rede war. Diese Orden ent-standen dadurch, dass solche Personen, deren gottesfürchtige Zieleneben der Beobachtung von gewissen Regeln in Krankenpflege, Verbrei-tung des christlichen Glaubens und Schutz desselben bestanden, sich zueiner Brüderschaft zusammenschlössen. Ihre Statuten waren ähnlichdenen der Mönchs-Orden. Der Papst musste ihre Einsetzung bestätigenund war ihr Oberhaupt; ihre Vorgesetzten und Magister (Meister) wähltensich die Ritter aus ihrer eigenen Mitte. Später bildeten nach ihremMuster sich auch weltliche Orden, welche die geistlichen mit den ritter-lichen Uebungen verbanden uud gleichfalls als äusseres Abzeichen dasKreuz annahmen (gewöhnlich ein rothes Kreuz auf weissem Grunde oderMantel): Ihre höchsten Aemter waren: Grossmeister, Herrenmeister, Mar-schall, Comthur (Commandeur), Bailli; die andern waren einfache Ritter.

Die straffe Disziplin und strenge Ordnung, welche in diesen Ordenherrschte, sowie ihre von ihnen während der Kreuzzüge erlangte Kriegs-erfahrung waren die Ursachen, dass diese kriegerischen Schaaren jenerZeit für vortrefflich galten, zum Muster dienten für die Organisation vielerfeudal - und besonders auch städtischer Heere und im gewissen Sinnesogar die ersten stehenden Heere in der jetzigen Bedeutung dieses Wortesgenannt werden können.

Im livländischen Orden bekleidete zuerst fast 100 Jahre lang ingeistlichen und weltlichen Dingen die oberste Gewalt der Bischof, späterErzbischof von Riga, welcher das Recht über Krieg und Frieden, derVertheilung von Land und Gütern besass, kurz das Oberhaupt desOrdens war. Seit Ende des 13. Jahrhunderts begann jedoch seine Machtzu sinken, da, wie gesagt, inmitten des Ordens Zwistigkeiten und Fehdenausbrachen.

Was die eigentliche Kriegs-Organisation des Ordens anbelangt, unddas Heerwesen in demselben, so waren diese ganz dieselben, wie bei