224 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
schwach bevölkerten Provinzen und siedelte sie dort an; Fremde, nament-lich Tataren, behielt man als Sklaven.
Der Geist der Truppen war im Allgemeinen ein sehr guter: sie zeich-neten sich durch Anhänglichkeit und Gehorsam gegen die Fürsten undOffiziere, durch Einfachheit des Lebens, der Sitten und Gebräuche, durchErtragen von Strapazen und Entbehrungen, durch Muth und Tapferkeitin der Schlacht, ausserordentliche Zähigkeit in der Vertheidigung hinterStadtmauern oder Verschanzungen, und durch gewaltiges Ungestüm beimAngriff im offenen Felde aus, doch war dieses nicht andauernd, misslangder Angriff, so wandten sie sich rasch zur Flucht, — und dem Sinne undGebrauche jener Zeit entsprechend ergaben sie sich oft der Plünderung,und zwar um so eher, da sie sich aus eigenen Mitteln unterhaltenmussten.
Im Allgemeinen aber kann man sagen, dass mit der Erstarkung undBefestigung der Monarchie zu dieser Zeit die innere Organisation derHeere sowohl wie das Heerwesen des Staates in Ost-Russland sich be-deutend vervollkommnete und in weit besserem Zustande befand, alsfrüher.
§. 155.Befestigung, Belagerung und Vertheidigung von Städten.
Die Einfälle der Mongolen hatten schon seit der Mitte des 13. Jahr-hunderts dazu geführt, auf Maassregeln zum Schutze der Ost- und Süd-grenzen Ost-Russlands durch befestigte Linien und auf die bessere Be-festigung der inneren und vornehmlich der Grenz-Städte Bedacht zunehmen.
Die befestigten Linien waren die sogenannten Verhaue (S a s s j ä ki),Verbacke (Saruby), Wälle oder Linien. Sie bestanden in "Wald-gegenden aus Baum-Verbacken mit Erdwällen, in waldlosem freiem Landeaus Erdwällen mit trockenem oder nassem Graben. Zu den Ersteren be-stimmte man verbotene Waldungen, d. h. solche, in denen es nichterlaubt war, Holz zu fällen und Wege durchzuschlagen. An den Endendes Verhau's wurden Ostroshki oder Gorodki (keine Forts oderSchanzen) angelegt, mit Wall, dickem Zaun und Graben, — und zwischendenselben zum Durchlass Schlagbäume (Barrieren). Bewachung undSchutz der Verbacke lag den Grenz-Verhau-Wachen ob (§. 150)- Jo-hann I. legte solche Verhaue von der Oka bis zu Don und Wolga an (ausdiesen entstanden in der Folge die Bj el gor oder Grenz-Linien). SeineNachfolger verstärkten die alten Linien und legten noch mehrere neu an.Seit dem 14. Jahrhundert erwähnen die Chronisten auch die Grenz-Stanitzen, angesiedelte Grenz-Wachen aus städtischen Kosaken, ja