Ost- und West-Russland seit der Mitte des 14. Jakrh. bis zu Johann III. 225
sogar aus gemietheten Tataren gebildet. Da um diese Zeit die Süd-Grenzen nicht allein von den Tataren, sondern auch von den Don-Ko-saken beunruhigt wurden, so wurden gegen diese solche Stanitzen beiLiwnach (heute Stadt Liwny des Gouvernements Orlow), und die StadtElez an der Bystra Sossna aufgeführt (im selben Gouvernement). Ueber-haupt fand seit Ende des 14. Jahrhunderts eine erhebliche Verstärkungund Erweiterung des Grenzschutzes statt.
Dasselbe gilt auch von der inneren Vertheidigung, welche bis zumEnde des 14. Jahrhunderts ihren früheren Charakter hölzerner be-festigter Städte trug, seit Dimitrji Donski aber einen neuen und bes-seren erhielt, — steinere Mauern und Thttrme*), womit Moskaubegann (1367), Nishni-Nowgorod (1372) und später die übrigen wichti-geren Städte nachfolgten. Dieses Verdienst gebührt D i mitrj i D ons ki,welcher zuerst fremde, meist italiänische (darin für besonders geschicktgeltende) Baumeister berief und sie reichlich, sogar mit Erbgütern be-lohnte. Seitdem wurden viele der grossen inneren Städte neu und besserbefestigt, auch neue Festungen an der Ost- und Süclgrenze erbaut.
Die Art der Befestigung der Städte war dieselbe wie früher und ähn-lich der in West-Europa. Von aussen war die Stadt umgeben von denAussenmauern (Saboroli) und Thürmen (Wjeshi), — Okolny Gradoder Ostrog genannt, im Innern, das vorzugsweise hochgelegen war,befand sich die Citadelle (Djätinez oder Dnjäschni Gorod (innereStadt), auch Wyschgorod (höhere, obere Stadt), und nach Aufführung vonSteinmauern und Thürmen Kreml genannt (in Moskau, Nischni Now-gorod und andern Städten). Der steinerne Kreml zu Moskau wurde1367 auf derselben Stelle erbaut, wo Daniel, der Sohn AlexanderNewski's i. J. 1300 die innere Holz-Citadelle aufgeführt hatte.
Auch die Vertheidigung und Belagerung der Festungen waren die-
*) Die Holzbefestigungen der alten russischen Städte bestanden nicht nur ausHolz, sondern zugleich auch aus Erde und Stein, und zwar: aus dickem Bau-holz, meist Eichen, aus massiven Kiesel- und Feldsteinen, welche durch Holz- undEisenklammern und starken von Sand, Lehm, kleinen Steinchen, je nach dem Erd-reich und vorhandenem Baumaterial gemischten Mörtel verbunden waren. Die Stein-befestigungen wurden seit Ende des 14. Jahrhunderts ausschliesslich aus massivenSteinen und festem Cement hergestellt. Es bleibt aber zu bemerken, dass die Stein-bauten der Kirchen, Stadtmauern und Thiirme von wunderbarer Dauerhaftigkeit(nach ihren Ueberresten in Nowgorod, Stara Ladoga, Kiew und einigen anderenStädten des alten Nord- und Ost-Russland zu urtheilen) noch aus den ZeitenRurik's und der ersten russischen Fürsten, namentlich Wladimir's I. und Ja-roslaw'sl. herstammen. Es steht z. B. fest, dass Rurik's F este in Alt-Ladogaschon im Jahre 863—64 von Rurik erbaut wurde, und im Jahre 1116 die Nowgo-roder sie mit Steinmauern und Thürmen der bezeichneten Art umgaben, von welchennoch jetzt die Ruinen zu sehen sind.