222 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Wassilji I. und II. , mehr und mehr fest, ohschon auch sie noch mitden letzten Theilfürsten in Streit lagen.
Hiermit in Uebereinstimmung concentrirte sich auch die Kriegsver-waltung, welche ursprünglich hei den Höfen von Moskau und der Theil-fürsten gelegen hatte, seit Ende des 14. Jahrhunderts und seit DimitrjiDonski sich ausschliesslich im moskauischen Hofe. Und von da auwurde dieser in gewisser Weise die oberste Kriegsverwaltungs-Behörde aller Streitkräfte Ost-Kusslands, von welcher alle militärischeAnordnungen für diese ausgingen, vermittelt durch die Beamten des mos-kauischen Hofes, auf Befehl der Grossfürsten. Unter den verschiedenenTschiny (Chargen, Graden, Beamten) dieser obersten Kriegs-Verwaltungscheinen schon seit dieser Zeit zuerst entstanden zu sein: 1) W oje wo-den: Polkowye und Ossadnye zusammen, welche die Truppen inden Städten und ihren Provinzen befehligten, die P ol k owy e (Regiments-Wojewoden) im Felde, die Ossadnye (Belagerungs-Wojewoden) — inden Grenzstädten und Festungen, — und die G orodowye (städtischeWojewoden) — in den Städten und deren Umgebungen, — 2) Jessauly,welche vor den Wojewoden, und Sawojewodtschiki, welche hinterihnen ritten, — 3) die Stanowschtschiki oder Saimschtschiki,denen die Auswahl und Besetzung der Plätze für die Lager derTruppen auf dem Marsche oblag. Ferner werden um diese Zeit auchnoch die Kilitschi erwähnt (von dem tatarischen Worte Kilitsch oderKilidsh, — Säbel), — die Waffenträger der Fürsten — und die Ryndy(Leibtrabanten) , die fürstlichen Baunerträger. Auch bei diesen warendie moskauischen die angesehensten.
Oben (§. 150) war die Rede von städtischen Kosaken, von denenzuerst (1444) die von Rjäsan, als Grenzkosaken erwähnt werden. Mannimmt an, dass dies leichte Reiterdruschinen waren, ähnlich wie diefrüheren Brodniki oder Bronniki (Landstreicher verschiedenster Na-tionalitäten, welche zwischen Wolga, Don und Dnjepr umherstreiften,von Raub und Plünderung lebten, und Jedem dienten, der ihnen dasmeiste Geld gab); in dieser Zeit aber wahrscheinlich sich nach demMuster der donschen Kosaken formirten (s. unten § 158). Sie ge-hörten zum Etat der städtischen Opoltschenie, standen unter städtischenWojewoden, und wurden hauptsächlich zum Kundschafter-und Schutz-Dienste herangezogen. Von ihnen wird später ausführlicher die Redesein.
Bezüglich des Truppen-Unterhalts ist zu sagen, dass weder dieTruppen noch die Offiziere Gehalt und Lebensmittel erhielten, sondernauf ihre eigenen Kosten dienen mussten. Im 15. Jahrhundert begannendie Grossfürsten von Moskau, in Form von Geschenken oder Auszeich-nungen Stücke Landes unter der Bedingung des Kriegsdienstes zu ver-