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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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220 III. Von Einführung der Feuerwaffen Ms zum dreissigjährigen Kriege etc.

den Bojaren, aber niedriger als sie, werden schon die Okolnitschie,(Grosswürdenträger der Krone) und später noch verschiedene andre Hof-Chargen genannt: die Stolniki (Tafelbeamten), Tschasehniki (Ober-schenken), Konjuschennye (Stallmeister) u. s. w. Die BezeichnungOkolnitschi kam von dem Worte Okolo (Umgebung des Fürsten näm-lich) oder Okolizy (d. h. Obliegenheit für alles zu sorgen, was die Zügedes Fürsten in die Okolize, Umgegend, also seine Reisen, Feld-züge u. s. w. betraf.) Ganz besondere, höchste Bedeutung und Wich-tigkeit hatten die Bojaren, schon von Alters her waren sie die oberstenHof-, Staats- und Militär-Beamten, und hatten das Recht, nach ihremWillen demFürstenzu dienen, welchen sie am meisten liebten und ehrten,und sogar aus dem Dienst des Einen in den eines Andern über zu treten.Sie standen bei den Fürsten in hohen Ehren, missbrauchten aber nichtselten ihr Ansehen, indem sie Zwistigkeiten zwischen denselben nährten,und indem sie unter einander nach dem Alter ihrer Geschlechts - Her-kunft rechneten, führten sie, wie auch früher, Bojaren-Streitig-keiten, welche in der Folge bedeutend zunahmen und u. A. den Keimzu den spätem Mjästnitschestwo legten (d. h. das Berechnenihrer gegenseitigen Stellen nach dem Alter ihrer Geburtsabstammung).Wassilji II. fing schon an, zu Bojaren aus Gnaden zu ernennen(zu begnadigen), sogar gewesene Theilfürsten. Ausser den moskauischenund (anfänglich) den udjälnye Bojaren gab es auch noch städtische:jede Stadt hatte davon ihre eigenen, welche die obersten und wichtigstenBeamten derselben waren. Zum Unterschiede von den fürstlichen hiessendiese zuerst Bojaren, aber in dem Maasse wie sich die Bedeutung unddie Macht der moskauischen Grossfürsten hob und dagegen die der Theil-fürsten (Udj älnye) wie auch der Volksversammlungen (Wjätschi) sank,begannen die Bojaren zu verschwinden und waren zuletzt ganz beseitigt,ausser in Nowgorod und Pskow (s. §. 157). Zur Kriegszeit waren alleBojaren überhaupt die obersten Truppenbefehlshaber, bei den Fürsten,im Felde oder in den Städten.

Die Wojewoden waren ebenso wie die Bojaren die dem Fürstennächststehenden Beamten, ihre Räthe, und im Frieden die höchstenStaatsbeamten, im Kriege aber die Oberbefehlshaber und Heerführer.In der Theilperiode und nach derselben nahm ihre Anzahl erheblich zu,und sie besassen grosse Erbgüter und Reichthümer, konnten auch, gleichden Bojaren, je nach Belieben, dem einen oder andern Fürsten dienen.Aber vom 15. Jahrhundert an wurden die Wojewoden auch, wie die Bo-jaren, Diener der moskauischen Grossfürsten, d. h. ihnen vollkommenunterthan; es gab bei ihnen Starye, Aelteste,- nach Herkunft, undMolodye, Jüngere, Neue, neu Ernannte. Da zu dieser Zeit schon dieEintheilung der Heere, nach tatarischem Muster, inPolki: Das Grosse,