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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Ost- und West-Russland seit der Mitte des 14. Jahrh. bis zu Johann III. 219

konnte der Reiterei nicht so rasch folgen und war schlechter bewaffnetund organisirt, suchte sich entweder hinter den Fahrzeugen oder Terrain-Hindernissen zu decken, oder erlitt erhebliche Verluste und eine vollstän-dige Niederlage durch die Reiterei des Siegers. Grossentheils aber be-gaben nach der Niederlage die Truppen sich unter den Schutz der nächstenStadt, schlössen sich in dieselbe ein und vertheidigten sich hartnäckig.Dann fiel der Haupttheil der Vertheidigung dem Fussvolk zu, das haupt-sächlich lebhaft mit Bogen und Pfeilen und den andern angeführten Mit-teln (§. 151) thätig war.

§. 154.Innere Organisation und Geist der Truppen.

Ueber die Heeres-Einrichtungen des russischen Heeres im Friedensind in den Quellen keine genauen Nachrichten vorhanden. Aber esscheint ausser Zweifel zu stehen, dass der kriegerische Geist der altenDruschinen nicht erloschen war, weder in den fürstlichen Höfen, noch inder zahlreichen Klasse der Dworjanen und Bojaren-Kinder jener Zeit, unddass die zu diesen gehörigen Personen auch im Frieden die kriegerischenHebungen, das Reiten und den Gebrauch der Handwaffen, wie dasSchiessen mit dem Bogen vom Pferde und zu Fuss nicht vernachlässigten.Bei den Versammlungen und Besichtigungen der Truppen vor dem Feld-zuge wurde unzweifelhaft der Zustand ihrer Waffen und Pferde (Orush-nostj und Konnostj), ihre Ausrüstung mit allem für den Feldzug undden Kampf Erforderlichen, und ihre Bereitschaft und Tüchtigkeit zu dendabei notwendigen Handlungen geprüft.

Die militärische Befehlshaber-Rang-Ordnung entsprach der 10thei-ligen Eintheilung des Heeres zu Zehn, Hundert und Tausend, und dem-gemäss Wessen die Unter-Chargen Dessjatniki (Zehner, Unteroffi-ziere), Ssotniki (Hunderter), und Tyssjazkie (Tausender). DieLetzteren standen am höchsten nächst den Wojewoden des Fürsten, undtrugen als Auszeichnung um den Hals goldene Halsbänder oder Medaillenan goldenen Ketten. Der letzte Tausender war Wassilji Wassilje-witsch Weljaminow, nach dessen i. J. 1474 erfolgten Tode Dimit-rji von Moskau Niemanden mehr zu dieser Charge ernannte. In dengleichzeitigen Chroniken wird bisweilender Golowy (Häupter) oderPolkowniki (Obersten) in dem Sinne von Anführern der Provinzial-oder städtischen Regimenter Erwähnung gethan. Die höchsten Trup-penbefehlshaber waren die moskauischen und udjälnye (-Theilfürsten),Polkowye undOssadnye oder Krjäpostnye (Regiments-und Belagerungs-oder Festungs-)Bojaren und Wojewoden, am höchsten von allenstanden seit Ende des 15. Jahrhunderts die moskauischen. Ausser