Ost- und West-Eussland seit der Mitte des 14. Jahrh. bis zu Johann III. 217
witsch von Twer mit Geschützen und Arkebusen zu ihm zustossen; als aber statt dessen die Tweriten aus Klin nach Twer zurück-kehrten und Edige'i ohne Geschütze nach Moskau rückte, da wagtenseine Truppen nicht zur Belagerung dieser Stadt zu schreiten, aus Furchtvor den Feuerwaffen, welche man von Moskau's Mauern auf sie absckoss,— und Edigel wurde abgeschlagen und musste sich zurückziehen. Dergleiche Mangel an Geschütz zwang den tatarischen Feldherrn Masow-scha von Moskau abzuziehen, i. J. 1451 unter Wassilji IL Die Küssenwaren also zu dieser Zeit in dieser Beziehung den Tataren schon bedeutendüberlegen.
§. 153.
Aufstellung, Evolutionen und Kampfart der Truppen.
Diese weisen noch dieselben Grundzüge auf, wie in der vorher-gehenden Periode, nur mit dem Unterschiede, dass sie, theils in Folgeder Erfahrungen der früheren Zeit, theils durch den Einfluss der Mongo-len sich hauptsächlich der Thätigkeit gegen diese Letzteren angepassthatten, im Norden. Nordwesten und Westen aber der gegen die Schweden,livländische Kitter, und Lithauer.
Die Truppen theilten im Ganzen sich zu Zehn, Hundert, und Tau-send , in Kegimenter (Polki) oder Druschinen zu Pferde und zu Fuss, inschwere (Linien-) und leichte (Schützen-) Truppen. Die Ersteren stelltensich zur Schlacht auf und fochten in langen Linien und in tiefer Forma-tion (Phalanx) mit der Handwaffe und — zuerst der Pike (wobei die hin-teren Glieder, deren Piken länger waren, diese auf die Schultern dervorderen Gliederlegten, welche kürzere Piken hatten), dann dem Schwert,der Axt u. s. w., — die Letzteren dagegen in aufgelöster oder zerstreu-ter Ordnung mit Bogen und Pfeilen. Die wichtigste und Hauptthätigkeitwar die der Cavallerie, offensiv, hitzig, ungestüm und kräftig; dieAktion des Fussvolks kam mehr in 2. Linie, zur Aushülfe, war defen-siver Natur, hinter Schanzen, Wagenburgen, natürlichen Hindernissen, wosich die Fusstruppen sehr hartnäckig zur Wehr setzten, während sie hin-gegen im freien Felde sich sehr schwach erwiesen, namentlich der mon-golischen Reiterei gegenüber. Die russische Reiterei kehrte, nach einemersten misslungenen Angriffe, ebenso rasch um, entweder den Angriff zuwiederholen, oder sich zur Flucht zu wenden.
Bei den Aktionen im Felde ahmten die russischen Truppen in vielenDingen den mongolischen nach, oder glichen ihnen wenigstens darin,das sie die Front auseinander zogen, die feindlichen Flügel zu umfassenstrebten, verschiedene Kriegslisten anwendeten, verstellten Rückzug oderandere Bewegungen vornahmen, aus Hinderhalten plötzlich vorbrachen(so z. B. in der Schlacht von Kulikowo) u. s. w.