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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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216 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege ete.

Städten in Verbindung stand, dann vielleicht auch durch Schweden,Dänemark (im heutigen Esthland, das bis 1346 dänisch war) die livländerKitter, und die Lithauer. Unter Dimitrji Donski's Sohn und Nach-folger Was silji I. (13891425) wurden zu Moskau schon Selie (wieman bis zu Peter I. das Pulver, poroch, nannte) fabricirt, und diesteinernen Mauern von Moskau wurden mit Armaty (Geschützen) be-setzt, deren Wirksamkeit i. J. 1408 den Angriff des Tataren-FeldherrnEdigei abschlug. Im Jahr 1450 verwendete der Fürst DimitrjiSchemjaka gleichfalls Feuerwaffen bei der Belagerung von Galitschgegen die Truppen Wassilji's II. Im Allgemeinen aber wurden Feuer-waffen bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts und noch später auschliesslichvon ausserhalb in Ost-Russland eingeführt, verbreiteten sich sehr lang-sam, waren sehr unvollkommen, und nur das schwere Geschütz kam beiVertheidiguug von Städten zur Anwendung, im Felde nicht, und Hand-feuerwaffen überhaupt noch nicht. Die ersten Feuerwaffen, Geschütze(Armaty) erhielten besondere russische Namen: Pusskitschi (Kano-nen), Pischtschali (Geschütze), Drobowiki (Hakenbüchsen oderHaubitzen), und Moshshiry (Mörser). Schon früher hatte man Wurf-maschinen, welche grosse Steine schleuderten (Katapulten, Ballisten)Pusskitschi genannt. Unter Pischtschali verstand man zunächstnur die schweren Geschütze, dann auch die langen und schweren Hand-rohre, welche man von den Stadtmauern herab gebrauchte, mit 3 füssigemUntergestell, endlich auch die eigentlichen Hand-Feuerwaffen (in West-Europa Arkebusen), welche auf einer Gabel, einem Hakengestell abge-feuert wurden. Die Drobowiki hatten äusserlich dieselbe Gestalt wiedie übrigen schweren Geschütze, innen aber eine konische Kammer; manschoss zerstückte Steine in Form von Schrot (Kartätschen) daraus. AlleFeuerrohre waren ursprünglich sehr lang und schwer, sie wurden ebensowie in West-Europa gebraucht, und alle insgesammt erhielten von An-fang an den Namen Narj a d oder Ssnarj ad (was dem westeuropäischenAusdruck Artillerie entsprach); sie befanden sich dauernd in Moskau,Nowgorod, Pskow, und einigen andern grossen Städten.

Die Handfeuerwaffen kamen erst später in Gebrauch, die Hauptartderselben hiess Pischtschal (Büchse, Feldschlange). Ihrer wird späteran seinem Orte Erwähnung geschehen.

Obgleich somit die Feuerwaffen erst zu Ende des 14. Jahrhundertsin Ost-Kussland in Gebrauch kamen, so ist doch bemerkenswerth, dass esin der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts deren hier mehr gab, als beiden Tataren, zum grossen Vortheil diesen gegenüber, und um so sonder-barer, als die Feuerwaffen ursprünglich aus Asien von den Chinesen undArabern zu den Mongolen gekommen waren. So z. B. als i. J. 1408Edigei' nach Moskau ging, befahl er dem Fürsten Johann Michailo-