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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Ost- und West-Russland seit der Mitte des 14. Jahrh. bis zu Johann III. 215

war, während eine Schleife am andern Ende um die Faust geschlungenwurde), und 2) Fern-Waffen: Bogen und Pfeile, Armh rüste und zwarzum Handgehrauch, grosse Pfeile zu schiessen, und schwerere zumWerfen grosser Steine (Bailisten und Katapulten), Letztere bei Belagerungund Vertheidigung von Städten. Unter diesen 3 Arten von Waffenherrschte keine Gleichmässigkeit, vielmehr die grösste Verschiedenartig-keit : Jeder bewaffnete sich so gut Mittel und Umstände es ihm erlaubten,die Vornehmen und Reichen besser und vollkommener, die Armen undGeringern einfacher und ärmer. Bei den fürstlichen Höfen wurden dieRüstungen und Waffen in besondern Arsenalen aufbewahrt und vor demFeldzuge ausgegeben oder auch hinter dem Heere mitgeführt, zu Landeauf bespannten Fuhrwerken, auf dem Wasser zu Schiffe.

Jeder Truppentheil nannte sich nach Provinz oder Stadt (grössten-theils P o 1 k, Regiment, Abtheilung) und hatte sein besonderes Banner(Stjag), eine Fahne mit den Bildern des Erlösers, der Mutter Gottes, oderandrer Heiliger. Es gab besondere fürstliche und städtische Banner, höheraber und angesehener als alle übrigen waren, die grossen Banner,nämlich die der moskauischen Grossfürsten mit dem Bilde des heiligenMärtyrers St. Georg zu Pferde, mit dem Speer einen Drachen durch-bohrend, dem Wappenbilde des Grossfürstenthums Moskau. Dasmerkwürdigste Banner dieser Art war die grosse Fahne des GrossfürstenDimitrji Johannowitsch in der Schlacht von Kulikowo, welchesauf schwarzem Atlasstoff das Bild des Schweisstuches Christi zeigte. Diegrossen Banner standen stets in der Mitte der Schlachtordnung desHeeres, wo der Grossfürst selbst sich mit seinem Hofe aufhielt, undwurden von einer Ehren-Wache aus den vornehmsten moskauischenDworjanen geschützt.

Bei den Truppen befanden sich, wie vordem, Trompeten, Hörner,Trommeln oder Pauken (in der Art von Handpauken), Schalmeien oderPfeifen u. s. w., bei deren Erklingen die Truppen sich zum Kampfe for-mirten, vorrückten und die Schlacht unter ihren Fahnen begannen.

§. 152.Feuer-Waffen.

Nach Angabe der Chronisten wurden im J. 1389, dem letzten derRegierung des Fürsten Dirnitrj i Donski, in Ost-Russland zuerst »ausDeutschland Feuerrohre und deren Gebrauch eingeführt,und von da an die Schützen damit eingeübt«. Wahrscheinlichfanden diese Armaty (Feuerwaffen) und deren Benutzung aus West-Europa ihren Eingang in Ost-Russland zuerst auf dem Handelswege überNowgorod und Pskow, von denen besonders Nowgorod mit den Hansa-

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