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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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214 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

§.151.Verschiedene Truppen-Gattungen, deren Bewaffnung und Anzahl.

Die zahlreichste, relativ beste und Haupt-Truppengattung jener Zeitwar die Reiter ei, aus den Offizieren und Personen der fürstlichen Höfe,den Dworjanen, und den Bojaren-Kindern bestehend, welche die Mittelund Fähigkeit hatten, zu Pferde zu dienen. Diejenigen, welche aus Ar-niuth oder sonstiger Unzulänglichkeit dies nicht konnten, dienten zu Fussund bildeten die Truppengattung 2. Ranges, das Fussvolk, welchesauch zur Zusammensetzung der Feld-Armeen gehörte, hauptsächlich aberzum städtischen Dienste, Bewachung und Verteidigung der Städte, wieauch der Feldkriegslager und Befestigungen bestimmt war.

Dem entsprechend war auch die Bewaffnung der Truppen bei derReiterei vollkommner, complicirter, schwerer, bisweilen auch reicher, alsbei dem Fussvolk. Im Allgemeinen behielt sie noch den altrussischenCharakter, theilweise sogar den mongolischen oder dem ähnlichen, undzerfiel in Vertheidigungs- und Angriffs-Waffen, Letztere wieder in Nahe-und Fern- (Hand- und Wurf-) Waffen. Die vollkommenste Form derSchutzwaffen war die Bronia (in West-Europa Brunia , Brünne) oderder Panzer, aus spitzem Eisenhelm mit Nase (einem eisernen von obennach unten gehenden, Nase und Mitte des Gesichts schützenden Vor-sprung) und Panzernetz, das über Gesicht, Nacken und Schultern herab-hing (an Stelle der Helmgitter in West-Europa), dann dem Panzer-hemd, welches in Form eines Hemdes von den Armen bis zu den Knieenreichte, mit darum gegürtetem Schwerte, und bei den Vornehmen undReichen an Rumpf, Armen und Beinen mit Metallplatten (Arm- und Bein-Schienen) besetzt,*) und endlich einem runden Schilde bestehend.Im 15. Jahrhundert kamen bei dem Chronisten häufig die Bezeichnungen:eiserne oder geschmiedete Armee, Regiment (sheljäsnye oderkowanye polk oder ratj) vor, was anzudeuten scheint, dass die Schutz-bewaffnung der Reiterei schon solider und schwerer geworden war,übrigens nicht allgemein, sondern hauptsächlich in Nordost-Russland,besonders in Nowgorod und Pskow. Die Angriffs-Waffen waren: 1)Handwaffen, grade, kurze Schwerter, krumme mongolische Säbel,Messer oder Dolche l Lanzen lange und kurze, leichtere oder Wurf-spiess (Sulitz), Aexte, Berdysch (Hellebarden), Streitkolben oder Keu-len (Osslop), Kisten (Morgenstern, ein kurzer Stiel, an dessen einem Endemittelst Riemen oder Kette ein schweres Stück Metall oder Stein befestigt

*) Merkwürdigerweise gleicht diese volle Eüstung (bronia) sehr der heutigenvollen Eüstung der kaukasischen Bergvölker, besonders ihrer Fürsten und Vor-nehmsten.