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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Ost- und West-Kussland seit der Mitte des 14. Jahrh. bis zu Johann III. 213

und einigen Russlands (Ost-). Die bisherigen Streitkräfte derTheil-fürsten nahmen die 2. Reihe ein, in Form von Hülfstruppen unter demBefehle der moskauischen Grossfürsten, der moskauische Hof wurde nachundnach der zahlreichste und üppigste, und die moskauischen ratj (Heere),die numerisch bedeutendsten und einheitlichsten, am besten organisirt,und den moskauischen Grossfürsten vollkommen ergeben.

Ihre numerische Stärke überstieg die frühere bedeutend, scheint in-dessen nie über 150 000 Mann betragen zu haben. Und selbst diese Zahlhat sie nur einmal und zwar mit grosser Anstrengung erreicht, nämlichals der moskauische Grossfürst Dimitrji Johannowitsch i. J. 1380gegen Mama'i und dessen Verbündete Oleg von Rjäsan und Jagailoder Jage llo von Lithauen rüstete. Das 150000 Mann starke (nachAndern200 000 und sogar 400 000 Mann, was ganz unwahrscheinlich ist) HeerDimitrji's bezeichnen die Chronisten als bis dahin in Russland nie ge-sehen, unerhört, nie dagewesen. Uebrigens muss ganz allgemein gesagtwerden, dass über die numerische Stärke der russischen Heere jenerPeriode die Nachrichten noch weniger zuverlässig sind, als aus den vor-hergehenden Perioden. Was die Chronisten darüber bringen, ist augen-scheinlich sehr beschönigt, vergrössert, und zweifelhaft. Bisweilen (soz.B. bezüglich der Schlacht von Kulikowo) vergrössern sie die Zahl überdie Maassen, und zu anderen Malen (besonders nach dieser Schlacht)nennen sie 5000 Mann, ja sogar 1500 Mann ein grosses Heer. Sichereund beständige Grundlagen zur Zählung der Truppen gab es zu jenerZeit nicht und konnte es nicht geben.

Mit dem allmählichen Anwachsen der Streitkräfte der moskauischenGrossfürsten vervollkommnete und befestigte sich auch deren Organisa-tion durch zweckmässige Kriegseinrichtungen und Bestimmungen. Undzwar gingen diese bereits unmittelbar von den moskauischen Grossfürstenund ihrem Hofe, als der höchsten und hauptsächlichsten Kriegsbehördeaus, welche immer weniger mit den städtischen Volksversamm-lungen (Wjätsche) im Zusammenhange blieben; Letztere büssten ihreMacht und Bedeutung ein und verschwanden zu Ende dieser Periode inOst-Russland gänzlich , ausgenommen in Nowgorod und Pskow, wo sieim Gegentheil an Macht zunahmen, was später dargelegt werdensoll.

Ihre höchste Entwicklung und beste Verfassung erlangte die Kriegs-Organisation von Ost-Russland unter Wassilji II. (14251462), und soging sie auf dessen Sohn Johann (Jwan) III. über, welche in der fol-genden Periode ihr auf der alten Grundlage eine neue, eigenthümliche,noch vollkommenere und dauerhaftere Entwicklung gab.

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. 15