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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Ost- und West-Kussland seit der Mitte des 14. Jalirh. bis zu Johann III. 211

fürsten von Moskau und ganz Russland schon das zu einemGanzen zusammengefasste und erheblich erstarkte G r o s s f U r s t e n t h u mMoskau mit der Haupt- und Residenzstadt Moskau, das aus einemKutschkow'schen Privatdorfe allmählich zu einer Theilfursten- unddann zur grossfiirstlichen Residenz herangewachsen war.

Ganz damit in Uebereinstimmung entwickelte, concentrirte, ver-stärkte und vervollkommnete sich auch die Heeresorganisation Ost-Russ-lands überhaupt, und die Formation , Verfassung und Verwaltung derStreitkräfte desselben im Besonderen, welche nicht mehr zu verderblicheninneren Kriegen, sondern, wie gesagt, gegen äussere Feinde, besondersdie Mongolen bestimmt waren. Aehnlich wie zur Zeit der Theilfurstenund der ersten Mongolenherrschaft. bestanden diese Streitkräfte in derjetzigen Periode ursprünglich aus: 1) grossfürstlichen, 2) theilfürstlicbenund 3) den zu Nowgorod und Pskow gehörigen, später nur noch vorwie-gend, zuletzt ausschliesslich aus den ersteren, welche die sich an sie an-schliessenden theilfürstlichen verschlungen hatten. Die von Nowgorodund Pskow existirten weiter und entwickelten sich getrennt und unab-hängig fort, werden deshalb auch besonders betrachtet werden.

Ausserdem aber entsteht um diese Zeit an den Südgrenzen von Ost-und West-Russland eine neue, freiwillige , von ihnen unabhängige, aberaus ihnen hervorgegangene und mehr und mehr in enge Beziehungen zuihnen tretende Heeresmacht, dasDon-und Dnjepr-Kosakentkum.welches deswegen gleichfalls besonders betrachtet werden muss.

Die Streitkräfte der Grossfürsten und Theilfursten Ost-Russlands be-standen zu Anfang gleichmässig aus : 1) den fürstlichen Höfen, 2)Dworjanen (Adligen), 3) Bojaren-Kindern, 4) auf Zeit bestehen-den städtischen Aufgeboten (gorodskija opoltschenija), und 5)fremdländischen Sold-Truppen verschiedenster Nationalität.

Die Höfe (vordem D rus chinen gewesen) der Fürsten standen höherals alle übrigen und bildeten den Kern, den besten und Haupttheil derStreitmacht. Die zu ihnen gehörenden Personen führten die allgemeineBezeichnung D wor j an, in dem Sinne der Höchsten, vorzugsweise kri e-gerischen Klasse, nicht in dem späteren Sinne einer höchstenVolks-Classe, obschon sie den Ausgang dazu bildeten. Wie früherstanden einige von ihnen höher, andere tiefer. Zu den Ersteren gehör-ten die Bojaren und Woj ewoden, des Fürsten nächste Rathgeber,die Würdenträger seines Hofes, Staats- und Militair-Beamte, die Staryeoder Aelteren, und die Molodye oder Jüngeren. Jeder von diesen hatteseinen eigenen Hof (was früher Druschine gewesen war), dem fürstlichenim Kleinen ähnlich. Die nächste Klasse, niedriger als die Personen desfürstlichen Hofes, bildeten die eigentlichen Dworjane, von denen sichdie Einen bei den Höfen der Fürsten, die Anderen in deren Städten und