210 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
land erobert hatte. Die Grenzlinie zwischen Ost-und West-Russland bil-deten die westliche Düna und der Dnjepr. Und obgleich Glaube,Sprache. Sitten, Gebräuche, Gesetze u. s. w. in beiden Ländern dieselbenwaren, so nahmen ihre politischen Schicksale doch allmählich eine ganzverschiedene Entwicklung. Deshalb empfiehlt es sich auch von nun an,Heeresverfassung und Kriegswesen beider gesondert zu betrachten, indemwir zugleich die Hauptaufmerksamkeit auf Ost-Russland richten, welchessich allmählich zu einem selbständigen russischen Reiche entwickelt.
Es wurde schon oben (IL Theil, Kapitel 7, §. 54) erwähnt, dass dasHeerwesen im alten Russland, zunächst auf den von den ersten russischenFürsten gelegten Grundzügen entwickelt, sich in den beiden folgendenPerioden: der Theilfürsten, und der Mongolenherrschaft, auf diesenGrundlagen, aber mit den Abänderungen weiter bildete, welche Zeit undVerhältnisse, besonders die Zerstückelung Russlands in der Theilperiode,und die Herrschaft der Mongolen herbeiführten.
Diese Abänderungen waren besonders wichtig, bemerkenswerth undheilsam für Ost-Russland in dem 2. Jahrhundert der Mongolenherr-schaft, von Mitte des 14. bis Mitte des 15. Jahrhunderts. Sie hingen aufsEngste zusammen mit der Entwicklung des politischen, staatlichen undöffentlichen Wesens von Ost-Russland zu dieser Zeit, einer Folge derweisen und festen Politik der moskauer Grossfürsten: Johann I.Calita, Johann IL, Simeon Gordy, Dimitrji Donski, Was-silj i L, und Wassilji IL Diese Politik lief darauf hinaus, die schäd-liche Zerstückelung Ost-Russlands in Theilfürstenthümer nach undnach zu beseitigen, es zu sammeln, zu vereinigen zu einem Ganzenunter der Oberherrschaft der Grossfürsten von Moskau, nur ausdem einen Geschlechte des Heiligen Alexander Newski, und dieseMacht von Neuem bis zu der Höhe zu heben, welche sie unter St. Wla-dimir und Jaroslaw L hatte, das Fürstenthum Moskau durch Erlang-ung neuer Städte und Provinzen zu vergrössern, es über die übrigen Fiir-stenthümerzu erhöhen, und solchergestalt die Kräfte Ost-Russlands gegenseine äusseren Feinde , besonders die schlimmsten — die Mongolen*) zuconcentriren und zu vermehren.
Alle diese Ziele der Politik jener oben genannten moskauischenGrossfürsten gingen, zum grossen und wahren Glücke Ost-Russlands in134 Jahren (1328—14G2) nach und nach vollkommen in Erfüllung. Undum die Mitte des 15. Jahrhunderts bildete Ost-Russland (von welchem dieProvinzen West-Russlands schon gänzlich , Nowgorod und das nördlichePskow fast ganz unabhängig waren) unter der Oberherrschaft der Gross-
*j Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts heissen sie richtig Mongolen, vom 15.Jahrhundert an Tataren (s. unten Kapitel 19, §. 164).