Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
195
Einzelbild herunterladen
 

Die bernerkenswertkesten Kriege und Feldzüge dieser Periode. 195

des dazwischen gelegenen Landes. ebenso von Dtinkirchen und Nieu-poort. ganz Brabant bis zur Maas, Geldern, undOber-Yssel jenseits derYssel, im Nordosten mit seinen Truppen die Provinzen Drente und Gro-ningen besetzt haltend, beherrschte der Prinz von Parma in den Nie-derlanden das gesammte Gebiet von Flandern bis Ost-Friesland undhatte nach Unterwerfung von Sluys, der Inseln Waleheren und Gertrui-denberg mit diesen den Schlüssel zur Eroberung auch von Zeeland undHolland in der Hand, womit er zur selben Zeit von Breda und Hertogen-bosch aus drohte. Aber seine zweimalige Entfernung zu dieser Zeit ausdeu Niederlanden nach Frankreich, um den Truppen der Ligue zu helfen,ein neuer Aufruhr der spanischen Truppen, und die Kunst, mit welcherPrinz Moritz von diesen Umständen Nutzen zu ziehen wusste. hobenalle Vortheile der Lage des Prinzen von Parma wieder auf und zer-störten alle seine Hoffnungen auf Unterwerfung der Niederlande.

Im Februar 1590 eröffnete Prinz Moritz die Kriegsoperationendurch einen unvermutheten Angriff mit 20000 Mann Fussvolk und 2000Mann Reiterei auf das stark befestigte Breda und Wegnahme desselbenfast ohne Gegenwehr. Dann zwang er 1591 Zutphen und Deventer zurUebergabe und zog auf Groningen, auf die Kunde aber vom Herannahendes Prinzen von Parma zog er sich zurück und bemächtigte sich Delf-zyl's und einiger Festungen und Forts. Der Prinz von Parma rücktejedoch nicht nach Groningen, da er die schlechten Wege und Mangel anLebensmitteln fürchtete, belagerte aber das Fort Knotzenburg bei Nym-wegen, wo er indess auf heftigen Widerstand stiess. Als der PrinzMoritz zur Befreiung von Knotzenburg heranrückte und einen Theil derspanischen Cavallerie geschlagen hatte, hob der Prinz von Parma dieBelagerung auf und ging zurück. Dann führte Prinz Moritz noch einenerfolgreichen Zug nach Waasland aus. wo er die befestigte Stadt Hülstnahm, und rückte von da schnell mit 10000 Mann auf Nymwegen, daser nach 7tägiger Beschiessung zur Uebergabe zwang.

Auch der Feldzug von 1592 bestand zum grössten Theile in Belager-ungen, von welchen die bemerkenswerthesten die von Steenwijk und Coe-verden durch den Prinz Moritz, während der wiederholten Abwesen-heit des Prinzen v o n P a r m a in Frankreich waren. Beide Städte wurdengezwungen sich zu ergeben. trotz der Anstrengung der Spanier zu derenBefreiung. Zu Ende dieses Jahres (27. Dezember) starb der Prinz vonParma, den Ruf eines geschickten Feldherrn hinterlassend, befleckt je-doch durch das Zulassen wucherischen Getreibes der Commissare für dasHeer. welches unaufhörliche Meutereien und gegen Ende seiner Regier-ung die vollkommenste Desorganisation und sittliche Corruption der spa-nischen Truppen zur Folge hatte.

13*