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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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194 HI- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.

gesonderte Friedensverträge schloss, verwarf Antwerpen allein alle Ver-suche einer Aussöhnung und wurde endlich im Juli 1584 durch denPrinzen von Parma mit lOOOOMann Fussvolk und 1700 Mann Reitereieingeschlossen und belagert. Diese Einschliessung und Belagerung hebeusich aus der Reihe der gewöhnlichen ab, und gehören zu den interessan-testen aus der Kriegsgeschichte aller Zeiten, sowohl durch die riesen-mässigen Arbeiten, welche aller erdenklichen Hindernisse und Mühen un-geachtet mit bewundernswerther Ausdauer undMuth durch den Prinzenvon Parma und seine Truppen ausgeführt wurden, als durch die aus-serordentlichen verschiedenartigen Kriegsereignisse, welche bei Ant-werpen während der 13monatlichen Belagerung dieser Stadt zu Landeund auf der Scheide sich zutrugen, wie durch die Thaten ungewöhn-lichsten Muthes und Tapferkeit seitens der Belagerten und der Belagerer.Die colossalsten und schwierigsten Arbeiten der Spanier bestanden: inErbauung von Damm und Brücke über die Scheide und Graben einesKanals zur Verbindung von Gent mit der Scheide. Der heftigste Kampfzwischen Belagerern und Belagerten fand am 14. Mai 1585 auf derScheide und den nächstgelegenen Dämmen statt und endete mit der Be-siegung der Niederländer, Wegnahme von 30 niederländischen Schiffenmit Proviant, 150 Geschützen, und einer grossen Menge von Kriegsvor-räthen. Endlich zwangen innere Zerwürfnisse und der Mangel an Lebens-mitteln die Bewohner von Antwerpen die Stadt auf Capitulation zu über-geben (17. August 1585). Die Unterwerfung von Antwerpen entschieddas Schicksal der südlichen niederländischen Provinzen und zog fürlange Zeit ein Hinderniss zwischen sie und die nördlichen Provinzen,welche durch den Bund von Utrecht unter dem Namen »VereinteStaaten der Niederlande« vereinigt waren.

Nach der Unterwerfung Antwerpens wurden die wichtigen Kriegs-ereignisse seltener (158689). Die Hauptanstrengungen Spaniens rich-teten sich gegen England, und der Prinz Moritz von Oranien, welcherzu dieser Zeit seine kriegerische Laufbahn begann, war mit Unterneh-mungen gegen die niederländischen Truppen beschäftigt, welche in denStädten von Süd-Holland und Zeeland, in Bergen op Zoom u. s. w. sichempörten. Innerhalb dreier Monate gelang es ihm jedoch den Aufruhrzu dämpfen. Der Schlag aber, welcher (im August 1588) die unüber-windliche Armada Philipp's IL traf, entschied auch das Loos derNiederlande: von jetzt ab wandte sich das Glück gänzlich auf die Seiteder Niederländer. Von Philipp IL nicht unterstützt, keine Verstär-kungen erhaltend und gezwungen, um die Befehle des Königs auszu-führen, seine Kräfte zu zersplittern, war! der Prinz von Parma inallen seinen Unternehmungen gehemmt und gestört. Mit Lüttich undCöln im Bündniss. im Besitz der obern Maas, des unteren Rheines und