192 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum clreissigjährigen Kriege etc.
nommeii hatte, im Namen des Königs die spanischen Soldaten eid-brüchige, aufrührerische Verräther nannte und allen Nie-derländern befahl, sie mit den Waffen zu bekämpfen. Dasmachte die Truppen nur noch wilder: sie nahmen Alost, verheerten dasLand zwischen Brüssel und Gent, durchzogen Unfug treibend in 2 grossenMassen Flandern und Brabant, plünderten Maastricht, Deudermond undHeersberg, und wandten sich endlich, nachdem sie sich vereinigt, in ge-schlossener Masse gegen die reiche Handelstadt Antwerpen. Nachdemsie sich in Besitz der Citatelle gebracht, warfen sie sich (4. Dezember1576) gegen die Stadtbefestigungen, nahmen sie und die Stadt selbernach mörderischem Sturm, zündeten die Stadt an, plünderten 3 Tagelang, raubten unermessliche Schätze darin, und verwandelten sie in einenSchutthaufen.
§. 147.
Bemerkenswertheste Kriegsereignisse während der Regierung vonDon Juan D'Austria (1577—1578).
Am Tage der Einnahme von Antwerpen traf in Luxemburg der neueStatthalter der Niederlande, der Besieger der Türken bei Lepanto undTunis, ein — Don Juan DAustria. Die Festigkeit und Strenge derMaassregeln, welche er bezüglich der spanischen Truppen ergriff, seineMilde und Versöhnlichkeit gegenüber den Niederländern, brachten es zuWege, dass die Ersteren zu Ordnung und Gehorsam zurückkehrten unddie Waffen niederlegten, und mit den Letzteren wurden Unterhandlungenangeknüpft, welche vollkommen zu ihren Gunsten durch den Erlass dessogenannten ewigen Ediktes (7. April 1577) abgeschlossen wurden.Die Hauptbedingung dieses Ediktes, die Entfernung aller fremden Trup-pen aus den Niederlanden unter Zurücklassung der gesammten schwerenArtillerie, wurde durch Don Juan pünktlich ausgeführt. Der grössteTheil der spanischen, italiänischen und deutschen Truppen wandte sichunter Führung des Grafen Mannsfeld nach Italien, ein Theil trat in dieDienste der französischen Ligue, eine kleine Zahl verblieb heimlich inden Niederlanden. Aber der Frieden dauerte nicht lange: die ungerechteBesatzung von Namur durch Don Juan und die Verlegung seiner Resi-denz nach dahin führten zu erneutem Kriege. Der von den General-staaten nach Brüssel berufene Prinz vonOranien hielt dort seinen feier-lichen Einzug und ward zum Statthalter oder Regenten (Ruwaard) pro-clamirt; dann schritt man überall zu einer allgemeinen Volksbewaffnung,und die Citadellen von Antwerpen. Gent, Utrecht, Valenciennes u. a.wurden zerstört. Auch Don Juan rüstete eifrig zum Kriege, sein Krieger-ruhin führte eine grosse Zahl spanischer, italiänischer und deutscher