Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Periode. 191
kunstreiche Arbeiten, und das Trachten, den Belagerten durch Hungerzu bezwingen, spielen eine weit mächtigere Rolle, als der Angriff selbst:häufige Meutereien bei den Truppen, welche die Erfolge der Heerführerverlangsamen und vernichten und das Land dem Elend preisgeben, häu-figes Abschliessen von Friedensverträgen und Capitulationen, welche vonbeiden Seiten nicht im Mindesten innegehalten werden, — das sind dieHauptzüge des Krieges in den Niederlanden, während der letzten 35Jahre. Nur selten wird diese Einförmigkeit durch umfassendere undwichtigere Aktionen, Schlachten u. s. w. unterbrochen. So z. B. i. J. 1574ist die Schlacht bei dem Dorfe Mook oder auf der Mookerheide nebstden vorhergehenden Operationen bemerkenswerth. Die Niederländerhatten mehr und mehr ihre Erfolge ausgebreitet. der kühne und thätigeGraf von Nassau war mit 12000 Mann aus Deutschland in Geldern ein-gedrungen. Er und der Prinz vonOranien sollten sich vereinigen undNymwegen belagern. Zum Glück für Requesens gelang es diesem,bei seinen Truppen durch Auszahlung des Soldes die Ordnung wiederherzustellen und sie unter Befehl von Sancho de Avila nach Geldernzu dirigiren. Lange Zeit marschirten Avila und der Graf von Nassauan der Maas, der Erstere, um diesen Fluss zu überschreiten und Nassauvor Eintreffen des Prinzen von Oranien zu schlagen, — der Graf vonNassau, um Avila am Ueberschreiten der Maas zu hindern und sichmit Oranien zu vereinigen. Es gelang aber Avila heimlich bei Graveüber die Maas zu gehen, er rückte entschlossen gegen den Graf vonNassau vor, überfiel ihn unerwartet und besiegte ihn bei Mook (14. April1574) vollkommen, einem Dorfe auf dem rechten Maas-Ufer, nahe bei Hen-nep. 2000 Niederländer, darunter der Graf von Nassau selber, wurdengetödtet, die Uebrigen zersprengt.
Kaum aber war der Sieg bei Mook erfochten, so meuterten die spa-nischen Truppen von Neuem und verhinderten dadurch die gründlicheAusnutzung dieses Sieges. Um sie zu beschwichtigen, bemühte Re-quesens sich, sie in steter Thätigkeit zu halten: anfänglich verwendeteer sie zur Verstärkung der Blokade von Leyden, dann gegen die InselnZeeland, Duyveland und Schouwenland. zur Wegnahme der Stadt Zierik-see und zur Belagerung von Bommenede. Bei der Expedition nach derInsel Zeeland, der 20tägigen Belagerung von Bommenede und der 9mo-natlichen Belagerung und der Einnahme von Zieriksee entwickelten diespanischen Truppen viel Festigkeit. Muth , Geduld und Tapferkeit, undbedeckten sich mit Ruhm, aber in den Zwischenzeiten meuterten sie, plün-derten, raubten, und waren zügellos. Besonders nach der Einnahme vonZieriksee wurde der Aufruhr der Truppen so bedenklich, dass der Regent-schaftsrath, welcher nach Requesens (während der Belagerung vonZieriksee erfolgtem) Tode die Verwaltung der Niederlande zeitweilig über-