Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
185
Einzelbild herunterladen
 

Die benierkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Periode. 185

war es darum. weil die geldgierigen Söldnertruppen, sobald sie keinenSold erhielten, unbändig waren. Das Alles binderte den Prinzen vonOranien zur rechten Zeit in den Niederlanden einzurücken. Um seinenAnhängern dort die gleichzeitige Erhebung und Bewaffnung im ganzenLande zu erleichtern, dadurch die Spanier zur Zersplitterung ihrer Kräftezu verleiten und sie dann um so besser überwältigen zu können, theilteder Prinz von Oranien sein Heer in 4 Theile, welche von vier ver-schiedenen Seiten in die Niederlande einfallen sollten: der Graf vonHoogstraten mit dem einen Heerhaufen aus Lüttich in die ProvinzGeldern. ein gewisser Coqueville mit einem Corps französischerHugenotten und Engländer aus der Normandie in Artois, der Bruderdes Prinzen Wilhelm, Graf Ludwig vonNassau, mit einem starkenHeerhaufen in die Provinz Friesland,und endlich Prinz Wilhelmselber mit der Hauptmacht aus Trier über Aachen nach Lüttich.

Der Zweck einer solchen Theilung der Kräfte und Art des Verhaltenswar unzweifelhaft ein wohlbegründeter. Aber in den Operationen dergetrennten Corps und in entfernten Gegenden des Landes war es schwer,ja kaum möglich Einheit und Uebereinstimmung zu erzielen und somitErfolge zu erlangen. Zudem musste jeder dieser Theile der niederlän-dischen Truppen für sich allein schwächer sein, als die concentrirte spa-nische Macht. oder höchstens derselben gleich, während die vereintenKräfte der niederländischen Truppen denen der Spanier überall überlegengewesen sein würden. Endlich hätten die niederländischen, schlecht or-ganisirten und bewaffneten Truppen bei Eröffnung der Feindseligkeitengegen die vortrefflich geschulten spanischen Truppen den Mangel ihrerOrganisation durch die numerische Uebermacht ausgleichen müssen. Inder That wurde Coqueville und dann auch Hoogstraten einzeln be-siegt. Graf Ludwig von Nassau, welcher im Mai mit 800 Mann inFriesland einfiel, hätte wahrscheinlich dasselbe Schicksal gehabt, wennnicht ein besonderer Umstand ihm zum Siege verholfen hätte. In Frieslandbefanden sich damals ungefähr 5000 Mann feindlicher Truppen unter Be-fehl des Herzogs von Ahremberg. Dem Letzteren wie dem Grafen vonNassau war es gleich erwünscht, einige Zeit lang einem entscheidendenKampfe auszuweichen, Ahremberg, weil er das Eintreffen von Ver-stärkungen abwarten wollte, Ludwig von Nassau, um seine Truppen-zahl zu vermehren, sie zu organisiren und für den Krieg zu schulen. DerHerzog vonAhremberg fing wirklich an, einem Kampfe aus dem Wegezu gehen: sein Heer aber, das ihn des Verratbes beschuldigte, forderte,dass er es gegen die Niederländer führe, und wurde von diesen in derProvinz Groningen (am 24. Mai 1568) mit einem Verluste von 6 Ge-schützen und 1600 Todten, unter denen der Herzog von Ahrembergselber, aufs Haupt geschlagen. Dieser erste entscheidende Sieg be-