184 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
ein Existenzmittel und eine Art reich zu werden suchten, — und dannebenso die in der spanischen Armee angenommene Gewohnheit, die altenSoldaten weit über ihre Dienstzeit hinaus beim Heere zu behalten, warendie Ursachen, dass Plünderungssucht, Habgier, Grausamkeit, Empörungund Sittenverderbniss eine höchst schmachvolle Seite der spanischenBanden bildeten, welche nach den Niederlanden gesendet wurden. Derlangsame schläfrige Gang des niederländischen Krieges förderte nochsehr die Entwicklung dieser Laster in ihnen. und das mit Recht für daserste in Europa geltende Heer erschien gegen Ende des Krieges, wienoch nachgewiesen werden soll. auf der tiefsten Stufe der Sitten-losigkeit.
Die Truppen des Herzogs Alba, im Mai 1567 zu Asti und Piemontangeworben, bestanden in 4 Regimentern Infanterie, bei jeder Compagnie(Rotte) befanden sich 15 Arkebusire, aus 10 Rotten schwerer Reiterei,und aus 2 Rotten berittener Arkebusire. Alte, erfahrene und geschickteGenerale und Offiziere befehligten diese Truppen unter dem OberbefehlHerzog Alba's, welchen ausserdem der vornehmste spanische Adel um-gab, der schon an den Kriegen KaiTs V. mit Ruhm Theil genommen hatte.Anfang Juni ging dieses Heer über den Mont-Cenis nach Frankreich in 3Abtheilungen, Avantgarde, Hauptcorps und Arrieregarde bildend, und inkleinen Märschen ; in erstaunlicher Ordnung und unter Beobachtung derstraffsten Disziplin nach den Niederlanden. In der Franche-Comte ver-einigten sich mit ihm 3 Cornets (Rotten) burgundischer Cavallerie, — inLuxemburg noch 3 Regimenter deutschen Fussvolks. So rückte Albain die Niederlande mit einem Heere ein, dessen Kräfte sich schon auf20000 Mann beliefen. Seine erste Sorge war die Unterbringung und Un-terhaltung der Leute. Die stärksten Besatzungen legte er nach Brüssel,Antwerpen und Gent.
Indessen hatte Prinz Wilhelm von Oranien auf die Nachricht vonder Ernennung des Herzogs Alba sich nach Deutschland begeben, woer Truppen warb. Von allen Seiten strömten ihm niederländische Aus-wanderer, Flüchtlinge zu, grösstenteils in sehr trauriger Lage und ver-schiedenen Ranges und Standes, welche in Dienst gegen Sold tretenwollten. Mit einem solchen Heere, dessen Haupttriebfeder Geldgier undBeutesucht war, war es für den Prinzen von Oranien gleich schwierigund gefahrvoll zu zaudern, oder abzuwarten, bis sich bessere Zeiten zu Er-öffnung der Feindseligkeiten fänden, und während dessen sein aus denverschiedensten Völkerstämmen gemischtes Heer zu organisiren. Eswar deshalb besonders schwierig, weil nach Confiscation aller Güter desPrinzen und der Niederlande das Heer nur von den dürftigen Unter-stützungen der Engländer, der französischen Hugenotten, und zum Theilder deutschen Protestanten unterhalten werden konnte, und gefahrvoll