174 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
ergaben sich ihm bald und mussten grosse Contributionen bezahlen. Ingleicher Weise unterwarfen sich ihm auch der Herzog von Württembergund der Kurfürst Friedrich von der Pfalz mit seinen Besitzungen.Augsburg hielt sich am längsten, endlich aber zahlte es auch Kriegscon-tributionen und nahm die kaiserliche Besatzung auf. Solchergestalthatte nach 4monatlichem Feldzuge Karl V. seine Gewalt in Südwest-Deutschland befestigt, den sehr starken Bund zerrissen und das stärksteHeer, das jemals gegen ihn gestanden, auseinander zu gehen veranlasst,und in dem Streben nach seinem politischen Ziele erschien er mit neuenund gegen früher erheblich vermehrten Kräften. Diese Erfolge ver-dankte er seiner im Vergleich zu den Gegnern weit grösseren Kriegs-kunst. Die Theilung der Macht in dem protestantischen Heere, die Un-fähigkeit und Unentschlossenheit des Kurfürsten und Landgrafen, dieunaufhörlichen Zwistigkeiten zwischen ihnen waren die Ursachen, dassdie Aktionen der Protestanten langsam, unentschieden, nicht rechtzeitigund ohne Erfolg ausgeführt wurden. Karl V. hingegen, die allgemeinenund besonderen Beziehungen und Umstände in Deutschland sehr wohlbegreifend, die richtige Zeit zum Handeln bestens erkennend, vereinigtein seiner Hand die Gewalt des Monarchen und Feldherrn, bewies einenfesten Willen in dem Durchsetzen seiner Absichten, und einen ungewöhn-lichen Muth bei Ueberwindung von Hindernissen und Ertragung von Be-schwerden und Entbehrungen ganz ebenso wie der gemeine Soldat, undverstand bei den Truppen strenge Ordnung und Disziplin und einen vor-trefflichen Geist zu erhalten; auch wusste er mit Geschick von der Un-entschlossenheit, den Misshelligkeiten und Fehlern der ProtestantenNutzen zu ziehen und je nach den Umständen entweder einem Kampfegegen stark befestigte Lager auszuweichen, oder in nachdrücklichsterWeise zu handeln, indem er Schnelligkeit mit Heimlichkeit und Vorsichtverband.
§. 139.
Feldzug von 1547 in Sachsen.
Karl V. hatte mächtige Erfolge erreicht, er unterliess aber sie so zubefestigen, dass die Protestanten ihm nicht mehr gefährlich werdenkonnten. Noch im Oktober 1546, als die beiden feindlichen Heere sichan der Brenz und bei Gingen befanden, hatte Prinz Mo ritz von Sachsen,der mit einem Heere in Sachsen eingerückt war, sich des Landes raschbemächtigt, mit Ausnahme von Wittenberg, Gotha und Eisenach, undwegen der späten Jahreszeit sein Heer entlassen mit dem Befehl sichstets zum Feldzuge bereit zu halten. Im Dezember brach der Kurfürst