Die bernerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Periode. 175
von Sachsen aus Frankfurt nach Sachsen auf. Um diesen Marsch zu ver-bergen und seinen Truppen während desselben grössere Bequemlichkeitenzu verschaffen, legte er ihn in kleinen Abtheilungen (rottenweise, inCompagnien) zurück; in Fulda aber zog er sie wieder zusammen, rückteschnell weiter auf Sachsen vor und belagerte Leipzig. Die vom PrinzMoritz zur Vertheidigung von Leipzig getroffenen Anordnungen zwangenindessen den Kurfürsten zum Aufgeben der Belagerung, und er legte seineTruppen in Winterquartiere in Altenburg und Umgegend. Hier hoffte erneue Truppen anzuwerben und Beziehungen mit den böhmischen Prote-stanten anknüpfen zu können. Doch war die Ausführung dieser Absichterschwert durch das Eintreffen Alb recht's von Brandenburg, welchenKarl V. zur Unterstützung des Prinzen Moritz mit 2000 Reitern und5000 Mann Fussvolk gesendet hatte. Nachdem die Verbindung mit PrinzMoritz über Chemnitz hergestellt war, ging Markgraf A1 brecht nachEochlitz. wo er aber unthätig stehen blieb, plötzlich vom Kurfürsten an-gegriffen und mit 800 Mann seiner Truppen gefangen genommen wurde.Dann wandte der Kurfürst sich gegen die Bergstädte, welche sich ihmunterwarfen. schickte den böhmischen Protestanten eine Unterstützungvon 10 Regimentern Fussvolk und 500 Reitern und bedrängte den PrinzenMoritz in Sachsen dermaassen, dass dieser nach Verlegung der kleinenAnzahl ihm noch verbleibender Truppen in die 4 einzigen Städte, welcheer in Sachsen noch in seiner Gewalt hatte (Leipzig, Zwickau. Dresden.Pirna; mit der Reiterei sich selbst mit Mühe nach Böhmen durchschlugund Ende März 1547 sich zu Eger mit Ferdinand vereinte: ihre ver-bündeten Kräfte beliefen sich auf 12000 Mann. Bald darauf erschienKarl V. in Eger mit 35000 Mann (30000 zu Fuss, 5000 zu Pferde). Dieungarische Reiterei besetzte ungesäumt alle Bergpässe, welche aus Böh-men nach Sachsen führten, und 10 Tage später brach das ganze HeerKarl's V. nach Sachsen auf. Der Kurfürst befand sich zu dieser Zeitin Meissen und hatte nur 9000 Mann bei sich, alle übrigen in den Garni-sonen vertheilt. Der Marsch Karl's V. nach Sachsen wurde so schnellund heimlich ausgeführt, dass die in den Garnisonen dislocirten Truppendes Kurfürsten sich zum grössten Theil ergaben oder zerstreuten, Karl V.bemächtigte sich des ganzen Landes zwischen Elbe und Elster, der Kur-fürst erfuhr von dem Marsche überhaupt erst, als Jener dicht bei Meissenstand (22. April 1547). Der Kurfürst zündete sofort die Brücke vonMeissen an und zog sich schleunigst nach Mühlberg zurück, wohin inder Nacht ihm Karl V. auf dem linken Elb-Ufer folgte. Noch konnteder Kurfürst der ihm drohenden Gefahr entgehen, indem er sich eiligstüber Torgau oder Wittenberg zurückzog oder die in seiner Lage gebote-nen Vertheidigungsmaassregeln ergriff. Aber schwach und unentschlossenthat er weder das Eine noch das Andere, sondern blieb bei Mühlberg