Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Periode. 171
V. Feldzüge der Jahre 1546 und 1547 in Deutschland, zur Zeitdes schmalkaldischen Krieges.
§. 138.
Feldzug von 1546 an der Donau.
Karl V. hatte sorgfältig den Krieg mit eleu Protestanten in Deutsch-land vermieden, so lange er mit Frankreich im Kriege lag. Als aber mitdiesem Lande der Friede von Crepy geschlossen war, und als i. J. 1545die Protestanten die Satzungen des Tridentinischen Conzils verwarfen, dagab Karl V., welcher nach der unumschränkten Herrschaft in Deutsch-land strebte und dieses Ziel durch die Schwächung der protestantischenwie der katholischen Partei zu erlangen hoffte, der Letzteren die Waffengegen Erstere in die Hände. Die Protestanten, welche schon i. J. 1536unter sich den Schmalkaldenschen Bund abgeschlossen hatten, dessenHaupt Johann, Kurfürst von Sachsen, und Philipp, Landgraf vonHessen war, hatten bei Ulm etwa 34000 württemberger, schweizer,sächsische und hessische Truppen versammelt, deren Oberbefehl sie demSebastian Schärtlin von Burtenbach übertragen hatten. DiesenTruppen konnte Karl V. in der ersten Zeit nur 5000 deutsche Lands-knechte, 3000 Mann spanisches Fussvolk und 700 Reiter entgegenstellen.12000 Mann, welche der Papst zugesagt hatte, und die kaiserlichenTruppen aus Neapel und den Niederlanden waren noch nicht eingetroffen,und die in Füssen am Lech neu angeworbenen Truppen waren erst in ge-ringer Zahl beisammen. Schärtlin marschirte zuerst auf Füssen, inder Absicht diese letzteren Truppen dort zu zerstreuen oder zu schlagen,er traf sie aber dort nicht mehr an. Dann rückte er, um den päpstlichenund kaiserlichen Schaareu den Weg aus Italien nach Deutschland zu ver-legen, zu den Gebirgspässen zwischen Füssen und Innsbruck, welche jenepassiren mussten. Nachdem er einige Corps geschlagen, besetzte erEhrenberg und Füssen und wollte weiter nach Trieut ziehen, wurde abernach Günzberg an der Donau gerufen, um sich mit den Hauptkräften derProtestanten zu vereinigen, welche sich um das von ihnen erstürmte Do-nauwörth concentrirten. Die Wahl von Donauwörth als Sammelpunktder protestantischen Streitkräfte war sehr glücklich. Die Nähe von Augs-burg sicherte deu Protestanten die Herrschaft über Lech und Donau, siekonnten frei auf dem rechten Donau-Ufer operiren unter Festhaltungder Verbindung mit dem linken Ufer, und aus Ulm und anderen OrtenLebensmittel in Ueberfluss heranziehen. Bald waren zwischen Donau-wörth au der Donau und Kain am Lech 70000 alte und erfahrene pro-