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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldziige dieser Periode. 169

zosen entrissen, bald aber wieder von ihnen zurückerobert. Karl V.brachte Heinrich VIII. auf seine Seite, nnd zu derselben Zeit, da erselbst mit einem starken Heere im Hennegau einrückte und Landrecyund Guise belagerte, landeten 10000 Engländer an der niederländischenKüste. Die Belagerung von Guise wurde aufgegeben, und alle Anstreng-ungen der kaiserlichen wie der englischen Truppen richteten sich aufLandrecy. Da aber diese Stadt nicht in ihre Gewalt gerieth, so rücktendie verbündeten Truppen in die Winterquartiere ab.

Franz I., hauptsächlich mit den Operationen in den Niederlandenbeschäftigt, vernachlässigte die zu erfolgreichem Vorgehen im Süden er-forderlichen Maassregeln. Darum hatte das Unternehmen der vereintenfranzösisch - türkischen Flotte gegen Nizza durchaus keinen Erfolg. InPiemont nahm Guasto Carignano und schnitt dadurch die Verbindungenvon Turin mit Pignerol und den Alpen ab. Der Graf von Enghien,welcher den Oberbefehl über die französischen Truppen übernommenhatte und Carmagnola besass, umschloss und belagerte Carignano.Guasto, dessen Armee stärker war als die französische, rückte nachCarmagnola, um Carignano mit Proviant zu versehen, die französischeArmee einzuschliessen und zu bedrängen und, nachdem er sie durchHunger zur Uebergabe genöthigt, in Frankreich einzudringen. BeideHeere (das französische über 20000 Mann, das kaiserliche 2829000Mann stark) stiessen (am 14. April 1544) bei Cerisolle östlich von Carmag-nola auf einander. Bei der hier stattfindenden Schlacht wurde die kaiser-liche Armee geschlagen, verlor 15000 Mann nebst 15 Geschützen, undihre Ueberbleibsel zerstreuten sich in Unordnung und konnten kaum iuMailand wieder gesammelt werden. Der Sieg von Cerisolle war von sogrossem Einflüsse auf Italien und die darin befindlichen kaiserlichenTruppen, dass Nichts leichter gewesen wäre, als das Herzogthum Mailandzu erobern und durch Uebertragen des Krieges in das Königreich Neapeldie von Karl V. gegen Frankreich dirigirten Truppen nach Neapel hinabzulenken. Allein Franz L, schon alt geworden und gegen Eroberun-gen gleichgültiger, besonders aber ohne Geldmittel zur Fortführung desKrieges, war nur noch auf die Vertheidigung von Frankreich bedacht.12000 Mann französische Truppen wurden aus Italien nach Frankreichzurückgerufen, die übrigen waren zu schwach, um irgend etwas vonBedeutung ausfuhren zu können.

Im Jahre 1544 hatten Kar 1 V. und Heinrich VIII. sich verabredet,mit 80000 Mann Fussvolk und 20000 Mann Reitern in Frankreich einzu-dringen, und, ohne sich mit Belagerungen von Städten aufzuhalten, direktauf Paris zu marschiren. Aber von dem Allen geschah Nichts: Hein-rich VIII. fing an Montreuil und Boulogne zu belagern, Karl V. be-lagerte Luxemburg, und nachdem sich dies ergeben und Ligny ein-