162 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjührigen Kriege etc.
trieben, machten die Mailänder einen allgemeinen Aufstand; die Schwei-zer, welche im Herzogthum Mailand in französischem Dienste gestandenhatten. verliessen denselben, da sie keinen Sold bekamen; es bliebennur 3—4000 Mann übrig, welche Lautrec in 2 oder 3 Festungen ver-legte, indem er sich mit der Cavallerie im Felde behauptete. Die einzi-gen Verbündeten Franz' I. in Italien waren die Venetianer.
Die Kriegsoperationen wurden mit der Belagerung von Parma durchdie Verbündeten eröffnet. Aber die Belagerung aufhebend gingen sieunweit Cremona über den Po und marschirten am Oglio stromauf, den12000 Schweizern entgegen, welche zur Vereinigung mit ihnen heran-zogen, und zugleich um die Venetianer zu schrecken und sie zu zwingensich von den Franzosen zu trennen. Die Nachlässigkeit Lantrec's ge-stattete ihnen das ungehinderte Ueberschreiten des Po, den Marsch längsdes Oglio und die Vereinigung mit den Schweizern. Von ihnen bedrängtzog Lautrec zunächst auf Mailand ab. dann nach Como, von da überdie Adda auf venetianisches Gebiet, und endlich nach Cremona. der ein-zigen im Besitze der Franzosen gebliebenen Stadt: alle übrigen hattensich den Verbündeten unterworfen. Zu dieser Zeit starb Papst Leo X.,und Cardinal Medici entliess die päpstlichen Truppen. Ausserdemgingen 16000 Schweizer von den Verbündeten zu den Franzosen über.Diese Schwächung der Verbündeten brachte ihre Erfolge ins Stocken.
(1522). Im Winter gelang es den Franzosen, die früheren päpst-lichen Truppen auf ihre Seite zu bringen. Auf diese Weise war, trotzdemdass die Venetianer 6000 Landsknechte durchliessen, welche zur Ver-einigung mit den Verbündeten marschirten. das numerische Uebergewichtauf die Seite der Franzosen getreten. Nach vergeblicher Belagerung derBurg von Mailand stellte die französische Armee sich bei Cassano auf,um die Vereinigung von weiteren 6000 Landsknechten mit den Verbün-deten zu verhindern. 5000 Mann dieses Heeres wurden dem Marschallde Foix (Bruder Lautrec's) entgegen geschickt, welcher bedeutendeVerstärkungen über Genua heranführte. Um die Verbindung mit ihm zuerleichtern, besetzten diese Truppen Novara und kehrten, nachdem derMarschall De Foix zu ihnen gestossen war, nach Cassano zurück.Lautrec aber hatte nicht vermocht die Vereinigung der Landsknechtemit Colonna in Mailand zu verhindern.
Nach dem Eintreffen dieser Verstärkungen waren beide Heere ge-nügend stark, um einen Kampf zu wagen (die Franzosen 22—23000 Mann,die Verbündeten etwa 14000 Mann). Colonna rückte in der That ausMailand aus, aber Lautrec zog vor, Pavia zu belagern. Das ErscheinenColonna's und der Mangel an Lebensmitteln zwangen ihn jedoch zurAufhebung dieser Belagerung. Um die Schweizer zu befriedigen, welchekeinen Sold erhalten hatten, zog er auf weitem Umwege östlich von Mai-