IßO II. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjiihrigen Kriege etc.
Franz I. bei ihr eingetroffen war, brach sie Über Vercelli auf Novaraauf, nahm letztere Stadt und erreichte dann über Vigevano und Paviadas östlich von Mailand gelegene Marignano oder Melegnano, wo siemit dem Zwecke aufgestellt wurde, die Vereinigung der spanisch-päpst-lichen in Piacenza sich befindenden Truppen mit den in Mailand gewese-nen »Schweizern zu verhindern und die eigene Vereinigung mit den Vene-tianern zu erleichtern, welche im Po-Thale heranzogen. Don RaimondeCardone, Vicekönig von Neapel und Oberbefehlshaber der Armeeder Ligue, welcher seinerseits die Vereinigung der Franzosen mit denVenetianern hintertreiben wollte, überschritt den Po; die Franzosenzwangen ihn aber wieder über den Fluss zurückzugehen, und so konn-ten die Venetianer, welche ungehindert bis Lodi gelangt waren, die Ver-bindung mit den Franzosen bewerkstelligen. Inzwischen war es Franz I.noch während des Marsches von Novara nach Marignano gelungen,durch Unterhandlungen und Geld die schweizerischen Oantons zur Neu-tralität zu bewegen. Aber die im Herzogthum Mailand stehenden Schwei-zer, von ihrem Anführer, dem Cardinal von Sion (Sion oder Sitten in derSchweiz) aufgestiftet, fielen so unerwartet über die französische Armeeher, dass diese sich kaum zur Schlacht zu formiren vermochte. 2 ganzeTage währte der erbitterte und blutige Kampf bei Marignano (12. u. 13.November 1515); am Ende des 2. Tages erschien AI viano mit den Vene-tianern auf dem Schlachtfelde, und nun zogen sich die Schweizer, welcheungeheure Verluste erlitten hatten (von 20000 Mann waren etwa 15000gefallen), kämpfend und in Ordnung nach Mailand zurück, von wo siedann grösstentheils nach der Schweiz heimkehrten. Die Franzosen be-lagerten die Burg von Mailand, in welche der Herzog von Mailand sichmit seinen Truppen und den übriggebliebenen Schweizern eingeschlossenhatte. Der zweitägige mörderische Kampf bei Marignano (von den Fran-zosen bataille des geants genannt) erregte bei den spanischen inPiacenza befindlichen Truppen solchen Schrecken, dass sie in das König-reich Neapel abzogen. Lorenzo Medici, allein gelassen, war zuschwach, um irgend erheblichen Widerstand zu leisten ; Maximilian I.verharrte trotz aller seiner Versprechungen in Unthätigkeit; die Schwei-zer waren zum Frieden geneigt; endlich brachen auch zwischen den inder Citadelle von Mailand Eingeschlossenen Zwistigkeiten aus. DiesAlles hatte zur Folge, dass der Herzog von Mailand zu Grünsten Franz' I.seinen Rechten auf sein Herzogthum entsagte, den Franzosen die Citadel-len von Mailand und Cremona überliess und seinen Aufenthalt in Frank-reich nahm. Franz I. aber zog im Triumph in Mailand ein, gab denVenetianern 3600 Mann Reiterei und 7000 Landsknechte, um ihnen beider Zurückerobernng der Städte auf dem festen Lande behülflich zu sein,schloss ein Bündniss mit den Schweizern, und bald danach auch mit dem