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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Periode. 157

zeugen, zerstreute sie. nahm einen Theil während des Rückzuges gefan-gen, und machte bei Immola an der Grenze des päpstlichen Besitzes Halt.Im Jahre 1512 bildeten die Republik Venedig, Ferdinand derKatholische, Maximilian I. und Heinrich VIII., König vonEngland, einen Bund, die Heilige Ligue, gegen Ludwig XII. DerLetztere bestimmte zum Statthalter und Oberbefehlshaber der Truppenim Herzogthum Mailand den Herzog von Nemours, Gaston de Foix,verstärkte dessen Schaaren durch die in Frankreich unnöthigen Truppenund versah ihn mit Geldmitteln, um Schweizer und Landsknechte anzu-werben. Der kurze aber glänzende Feldzug Gaston's de Foix ist sehrbemerkenswerth durch die Schnelligkeit, Entschiedenheit und kunstvolleFührung dieses talentvollen, leider zu früh gestorbenen jugendlichenHeerführers. Die Verbündeten belagerten Bologna, doch rückte dieseBelagerung nur sehr langsam vor. Dadurch gewann Gas ton Zeit, inFinale ungefähr 10000 Mann zusammen zu ziehen (8000 Mann Reiterei,11000 Mann Fussvolk), mit welchen er rasch auf Bologna vordrang,heimlich in die Stadt gelangte, und die Verbündeten zwang die Belager-ung aufzuheben und nach Immola abzuziehen. Dann brach, unter Zu-rücklassung einer Garnison in Bologna, Gaston eilends nach Bresciaauf, das von den Venetianern besetzt war, und entriss es ihnen mit stür-mender Hand. Da Maximilian L, Ferdinand und Heinrich VIII.von England beschlossen hatten von 3 Seiten in Frankreich einzudringen,so beabsichtigte Ludwig XII. ihnen zuvor zu kommen und befahl Gastonmit der verbündeten Armee in Italien den Kampf aufzunehmen, und dannin der nachdrücklichsten Weise offensiv zu verfahren. G a sto n zog raschvon Brescia auf Immola, wo er aber die an Zahl überlegene verbündeteArmee nicht aus dem stark befestigten Lager bei dieser Stadt herauszu-locken vermochte, belagerte daher nun Ravenna, indem er hoffte, siedadurch dorthin zu ziehen und zum Kampfe zu nöthigen. Und wirklicheilte sie zur Befreiung von Ravenna herbei und traf daselbst ein, geradeals Gaston nach erfolglosem erstem Sturme sich zu einem zweiten an-schickte. In der sich nun entspinnenden äusserst erbitterten und blutigenSchlacht (11. April 1512, am 1. Ostertage) von Ravenna zwischen den29000 Franzosen (11000 Mann Reiterei und 18000 Mann Fussvolk) unterBefehl von Gaston de Foix, und den 27000 Mann verbündeten Trup-pen (12000 Reiter und 15000 Mann) Fussvolk unter Befehl des SpaniersCordone undPetro's von Navarra, erlitten die Letzteren eine voll-ständige Niederlage und verloren Lager, Artillerie, Train und eine MengeGefangener. Aber dieser glänzende Sieg kam den Franzosen ausser-ordentlich theuer zu stehen: sie verloren viele Leute, unter den Erschla-genen eine Menge der vornehmsten Edelleute, Truppenführer und dasSchlimmste Gas ton de Foix selbst. Die äusserste Erschöpfung der