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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Die bevnerkenswerthesten Kriege und Feldziige dieser Periode. 151

der Letztere weiter in die Romagna, zogen sich vor den herannahendenFranzosen zurück, der Eine nach Neapel, der Andere an die neapolita-nische Grenze. Karl VIII., welcher die Absieht zeigte, als wolle er Rommit Gewalt nehmen, erschreckte den Papst Alexander VI. und die Ein-wohner von Rom, nöthigte sie das französische Heer in die Stadt zulassen, und nachdem am 5. Dezember der Einzug stattgefunden hatte,fing er in Rom als Sieger und vollständiger Herrscher zu schalten an. DerPapst schloss bald einen Vertrag mit ihm, worin er versprach ihm dieInvestitur auf das Königreich Neapel zu ertheilen und den Franzosenseine Hauptfestungen zu überlassen.

(1495). Um diese Zeit verzichtete der König von Neapel auf denThron zu Gunsten seines Sohnes, Ferdinand II. Der Letztere stelltesich mit dem Heere an der Grenze auf, aber der vor den Franzosen ein-hergehende Schrecken trieb das Heer der Neapolitaner in die Flucht.Neapel war in Aufruhr, und Ferdinand begab sich, nachdem er dort-hin geeilt war, bald darauf nach Sicilien. Die neapolitanischen, amWege der Franzosen gelegenen Städte ergaben sich ihnen, Karl VIII.zog triumphirend (24. Februar) in Neapel ein, besetzte dessen beide Bur-gen Castel-novo und Castel-del-uovo und begann nun äusserst unklugund leichtsinnig zu handeln. Anstatt durch Besitznahme aller Städtesich dauernd im Lande festzusetzen, besetzte er mehrere Städte über-haupt nicht, aus Unachtsamkeit oder ans anderen Gründen. Die in denweggenommenen Städten befindlichen grossen Kriegs- und Proviantvor-räthe verschenkte er in unbegreiflicher und nicht zu entschuldigenderVerblendung oder übel angebrachter Grossmuth an die Befehlshaberseiner Truppen als Eigenthuni. Alle Klassen des Volkes, besonders denAdel brachte er gegen sich auf, so dass für den Fall einer Umwälzunger nicht auf ihre Unterstützung rechnen konnte. Während dessen aberbedrohte ihn schon eine grosse Gefahr: Der Papst, Kaiser Fried-rich III., Ferdinand der Katholische, der Herzog von Mailand,und die Republik Venedig bildeten ein Bündniss gegen ihn, beschlossen60000 Mann zu sammeln (wovon 34000 Mann Cavallerie) und nicht nurdie Franzosen aus Italien zu vertreiben und Ferdinand wieder in seinKönigreich Neapel einzusetzen, sondern auch in Frankreich selbst ein-zudringen. Karl VIII. war gezwungen seinen weitgehenden Pläneneiner Eroberung von Konstantinopel und Verjagung der Türken zu ent-sagen und lediglich auf einen Abzug aus Italien in Ordnung und Ehrenzu denken. Nachdem er im Königreich Neapel eine französische Regie-rung eingesetzt und eine kleine Truppenmacht unter dem Oberbefehl desHerzogs von Montpensier darin zurückgelassen hatte, zog er 8 Tage nachseiner feierlichen und glänzenden Krönung zum Könige von Neapel (am20. Mai) aus Neapel ab mit 910000 Mann (darunter 900 Reiter und