Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
150
Einzelbild herunterladen
 

150 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

daher notwendiger Weise auf die grössten Hindernisse und Schwierig-keiten stossen, und wurde so unklug und unvorsichtig ausgeführt, dass,trotzdem das Glück Karl VIII. begünstigte, es doch beinah mit demUntergange des gesammten französischen Heeres geendet hätte, und nichtnur ohne den geringsten Nutzen, sondern zu erheblichem Schaden undNachtheil für Frankreich ausschlug.

Im August 1-194 zog Karl VIII. über Grenoble, den Pass von Susaund Turin nach Asti mit einem Heere, dessen Stärke sich auf 2(5000 Mannbelief, (darunter 1600 Mann schwerbewaffneter Kitter, lances garnies,200 Mann leichte Reiterei, 6000 Schweizer, und 6000 Mann GascognerFussvolk, ausserdem 100 Edelleute und 400 Schützen, welche die Leih-wache des Königs bildeten, und eine Menge Volontairs) und mit ihnenmehr denn 140 Feuerröhre, deren grösserer Theil die durch Karl ver-vollkommnete leichte Feldartillerie bildete. Eine Flotte von 77 Kriegs-schiffen unter dem Befehl des Herzogs von Orleans sollte auf dem Meeredie neapolitanische Flotte aufsuchen und schlagen, und dann mit demLandheere cooperiren. Der erste Theil dieser Aufgabe kam mit Erfolgzur Ausführung, und die neapolita'nische Flotte wurde, im Meerbusen vonGenua 2 Mal besiegt, genöthigt im Hafen von Neapel Schutz zu suchen.

Von Asti ging das französische Heer auf Pavia und Piacenza. Vonhier führten 2 Wege ins Königreich Neapel: zur Linken der kürzeste undbeste durch Bologna, die Bomagna und die anconische Mark in die nea-politanische Abruzzen-Provinz, und zur Bechten über die Apenninen unddas Gebiet der Republik Florenz und des Papstes, die beide mit demKönigreich Neapel verbündet waren. Karl entschied sich für den letz-teren Weg, um nicht sich von der Flotte zu entfernen, welche die ganzeArtillerie und den grössten Theil der Bagage führte, um durch ein Aus-weichen vor Schwierigkeiten nicht die Italiäner zu ermuthigen, und auch,um nicht im Rücken hinter sich diese 2 feindlichen Länder unbesetzt zulassen, zu denen der Herzog von Mailand und die Republik Venedig nochhinzutreten konnten, und dadurch in die Gefahr zu gerathen von Frank-reich abgeschnitten zu werden. Der Marsch des französischen Hee-res von Asti nach Pavia, Piacenza, über den Apennin und die RepublikFlorenz und durch die päpstlichen Lande an die Grenzen des König-reichs Neapel glich einem Triumphzuge in erobertem Lande. Fiviz-zano, die erste fiorentinische Festung am Wege der Franzosen, wurdemit Sturm genommen, Garnison und Einwohner niedergemacht. DieItaliäner, solcher grausamen Art der Kriegsführung schon lange unge-wohnt, waren so entsetzt, dass grosse und kleine Städte, Festungen undBurgen an der Strasse, welche die Franzosen marschirten, sich ohne Ge-genwehr ergaben. Der König von Neapel und sein Sohn, Herzog vonCalabrien, welche mit Truppen ausgerückt waren, der Erstere nach Rom,