146 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
unterwerfen vermochte, so blieb Nichts übrig, als Frieden mit ihnenzu machen. Deshalb lud die Kirchenversammlung zu Basel schon am15. Oktober 1431 die Czechen ein, Friedensverhandlungen anzuknüpfen.
Auch in Böhmen war der Wunsch nach Frieden lebhaft und fastallgemein. In 11 Jahren grausamer Kriegführung war das Land aufsAeusserste verwüstet und erschöpft: die Felder wurden nicht besäet,Korn wuchs nicht, Handel uud Wandel lag darnieder. Die in fremdenLanden zusammengeraubte Beute aber kam nicht dem Lande, sondernnur den Truppen zu gute. welche sie zu ihrem eigensten Nutz gerauhthatten. Au Plündern und an das Kriegshandwerk sich gewöhnend, dassie bereicherte, verwilderten sie mehr und mehr und wurden eine Plagefür das Land um so mehr, als sie nicht blos noch aus Czechen bestanden,für welche die Vertheidigung ihres Glaubens und ihrer Ehre einen Vorwandzur Ergreifung der Waffen bildete, sondern auch aus herzugelaufenemGesindel der verschiedensten fremden Länder, welchem die leichte Artzu leben und mühelos reich zu werden zusagte. Ihre Führer waren zudieser Zeit die wirklichen Herren des Landes: Alles geschah nach ihremWunsch und Befehl, und dies drückte mit schwerem Schaden auf allenKlassen des Volkes. Deshalb fasste man auf dem Reichstage zu Pragim Februar I 132 endlich den Eutsehluss Gesandte nach Eger zur Zusam-menkunft und Berathung mit den Gesandten von der Baseler Kirchen-versammlung zu schicken. Die hier angekauften Unterhandlungen wur-den das ganze Jahr in Eger fortgeführt, seit Januar 1433 aber in Basel,wohin eine czechische aus den ersten geistlichen und weltlichen Personenbestehende Gesandtschaft abging, au ihrer Spitze Prokop Holy.
Indessen beendeten diese Friedensverhandlungen den jammervollenKrieg noch nicht. Noch zu Anfang des Reichstages von Eger im Früh-jahr 1432 drang der Prokop mit Taboriten und Orphaniten in Branden-burg ein weit über Berlin hinaus. Nach dem Eger'schen Reichstage aberzogen die Orphaniten von Neuem nach Ungarn, nahmen die Stadt Tirnaudurch List und legten eine ständige Garnison hinein. Zur selben Zeitfiel ein anderes czechisebes Heer in Schlesien ein und zwaug es, einenzweijährigen Waffenstillstand durch Geld zu erkaufen. Im Frühling1433 rückte ein grosser Heerhaufen der Taboriten in Ungarn ein und be-mächtigte sich der Hauptstadt und anderer Orte. Ein zweites Taboriten-heer, fast 8000 Mann, wurde nach Preussen entsendet, um den Polengegen die deutschen Ritter und Swidrigail Hülfe zu bringen (also einder Sache der Czechen vollkommen fremdes, ganz nach aussen gerichte-tes Kriegs-Unternehmen), schlug sich dort den ganzen Sommer herum,gelangte bis an die Meeresküste nach Danzig, und kehrte erst nach Ab-schluss des Waffenstillstandes zurück. Während dessen hatten in Böh-men, im Juni 1433, die Taboriten, und später mit ihnen gemeinschaftlich