Die bernerkenswerthesten Kriege und Feklziige dieser Periode. 145
gelang, so zogen sie weiter zur Grenze bis Biscliofstein, wo ihnen aberdas Heer wegen Mangel an Verpflegung bald auseinander lief. Dasdeutsche Kreuzfahrerheer hatte lange gezögert und sich an der West-greuze von Böhmen versammelt, am 1. August drang es endlich in dasLand ein, 90000 Mann zu Fuss und fast 40000 Mann zu Pferde stark,wieder unter dem Befehle des Markgrafen Friedrich von Brandenburg.Diesmal hatten auch die Deutschen, dem Beispiel der Hussiten folgend,Kriegswagen mit sich. Zunächst griffen sie Tachau an, wo sie heftigenWiderstand fanden, dann zogen sie weiter nach Burg Schwamberg. Hiertheilten sie sich in 3 Haufen und verwüsteten das Land bis Tauss. Wäh-rend dessen hatten die Czechen von Neuem ein Heer gesammelt von50000 Mann Fussvolk und 5000 Mann Reiterei und drangen kühn gegenden doppelt so starken Feind vor. Und nun wiederholte sich, was frühergeschehen war: kaum näherten sie sich dem deutschen Heere, so wurdedieses wieder von solchem panischen Schrecken ergriffen, dass es sichzur flucht nach dem bayrischen Walde hin wendete. Die Czechen ver-folgten schnell und holten es bei Domashlitz ein (am 14. August). Nunerreichte Furcht und Unordnung bei den Deutschen den höchsten Grad,gesteigert noch dadurch, dass ihre Kriegswagen im Walde stecken blie-ben, die Strasse sperrten und, 3000 an der Zahl, nebst reicher Beute denCzechen in die Hände fielen; von den Deutschen wurden Viele erschla-gen oder zu Gefangenen gemacht. Damit endete auch dieser Feldzugder Deutschen, noch schimpflicher als die vorhergehenden.
Durchaus nicht glücklicher verliefen die gleichzeitigen Einfälle derMeissen'schen von Norden her in Böhmen, und der Oesterreicher vonSüden in Mähreu. Die Ersteren zogen auf die Kunde von der Nieder-lage der Deutschen bei Domashlitz sich eiligst zurück. Albrecht vonOesterreich wurde durch den Prokopen zum Rückzuge aus Mähren be-wogen, unter der Bedingung jedoch, dass Olmütz, Brunn, Iglau, Gra-dischtsche, Znaym, und die andern wichtigsten Städte in Mähren fürimmer in Albrecht's Gewalt verblieben. Später, aber noch in demselbenJahre, drangen Taboriten und Orphaniten mit ihrem Hauptheere in Ungarnbis über Neitra hinaus vor, das Land verwüstend und aussaugend. Dasie sich aber wegen der Theilung der Beute entzweiten, kehrte Prokopmit seinem Heere um, die Orphaniten dagegen zogen weiter und erlitten,von einem überlegenen ungarischen Heere umzingelt, eine Niederlage,was für einige Zeit grosse Verstimmung zwischen beiden Bruderschaftenhervorbrachte.
Die Niederlage der Deutschen bei Domashlitz hatte dieser definitivjede Hoffnung geraubt, die Czechen mit Waffengewalt zu überwinden,und ihnen jede Lust zu weiteren Unternehmungen gegen sie genommen.Und da auch die westliche Kirche sie nicht durch geistliche Mittel zu
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. '0