Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
141
Einzelbild herunterladen
 

Die bemerkonswerthcston Kriege uad Peldzüge dieser Periode. 141

ergriff ihn plötzlich (17. April 1127) in Prag, und kerkerte ihn auf BurgWaldstein, im Boleslawer Kreise ein. Gleichzeitig wurden auch die ihmGleichgesinnten ergriffen und aus Prag verbannt, wonach bei den Utra-quisten kein einziger gemeinsamer Befehlshaber mehr vorhanden war.

Bald danach überschritten Taboriten und Orphanitcn in bedeutenderStärke unter Führung der beiden Prokope und anderer Hauptleute dieNordgrenze Böhmens und drangen au Zittau vorüber in die Lausitz undSchlesien ein, nahmen und verbrannten Lüben und Kolberg, plündertenund verheerten das Land, kehrten mit ungeheurer Beute zurück, undnahmen und zerstörten die festen königlichen Schlösser CzerwonnajaGora und Shleb.

Der 3. Kreuzzug gegen die Czechen (1427). Unterdessen wares dem Papste endlich gelungen, die Reichsfürsten zu einem neuen all-gemeinen Zuge gegen Böhmen zu bewegen. In Folge davon sammeltesich an der Westgrenze ein starkes deutsches Kreuzfahrerheer, etwa80 000 Mann Reiterei uud ebensoviel, wenn nicht noch mehr, Fussvolk,unter dem Oberbefehl des Markgrafen Friedrich von Brandenburg. DieErzbischöfe von Mainz und Trier, die Bischöfe von Bamberg und Würz-burg und viele geistliche und weltliche Reichsfürsten stiessen mit ihrenTruppen zu ihm. Im Juli 1127 rückte das Kreuzheer in den PilsenerKreis ein und belagerte zuvörderst die Stadt Stribro (Miess), welche vonPribik aus Klenow vertheidigt wurde. Taboriten und Orphaniten ver-einigten ihre Streitkräfte, im Ganzen kaum 15 000 Mann zu Fuss und1500 Reiter, und zogen unter Führung des Prokop lloly schnell aufStribro. Als sie sich auf 3 Meilen genähert hatten, entstand unter denKreuzfahrern solche Bestürzung, dass sie sogleich die Belagerung auf-hoben und in Unordnung auf Tachau flohen. Hier bewog der päpstlicheLegat sie zu halten; sobald aber nur die Czechen herankamen, wendetensie sich von Neuem in Furcht und Unordnung zur Flucht bis zum bayeri-schen Waldgebirge, und fort aus Böhmen. Die Czechen holten sie jedochein, machten mehrere Tausend nieder und bemächtigten sich ihrer Kriegs-vorräthe. Dann erstürmten sie Tachau, belagerten Pilsen, und diesemächtige Hauptstadt der böhmisch-katholischen Partei mit ihrem ganzenBezirke war gezwungen, einen Waffenstillstand zu erbitten und in eineBesprechung über den Glauben zu willigen, welche indessen zu keinemEinvernehmen führte.

Solche Furcht vor den Czechen hatten diese den Deutschen undallen ihren äusseren Feinden bei zu bringen gewusst, aber sie ver-standen es nicht, davon für die Befestigung ihrer Unabhängigkeit Nutzenzu ziehen, in Folge der beständigen religiösen Streitigkeiten zwischenihnen selbst.

In Prag war ein neuer Aufstand der Anhänger Sigismund's Kori-