140 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Zu Anfang des Frühjahrs 1-12(3 brachen die Czechen von Neuem inMähren ein und nahmen Brezlaw (Lindenburg) nahe der Grenze vonOesterreich. Bald aber wendeten sie sich in vielen Heerhaufen nachNord-Böhmen, wo sie den dortigen Gegnern Fried rieh's von MeiosenHülfe brachten, und viele von ihm besetzte Städte wegnahmen. In-zwischen waren die Berathungen der Reichsfürsten auf dem Reichstagezu Nürnberg über einen erneuten Zug nach Böhmen wieder resultatlosverlaufen. Nur das Heer Friedrich's von Meissen und seiner Verbün-deten in Meissen, Sachsen, Thüringen und anderen Orten, über 70 000Mann stark, drang über das Erzgebirge in das nördliche Böhmen ein,um die von den Czechen belagerte Stadt Aust zu entsetzen. Die Czechenhatten hier gleichfalls 25 000 Mann versammelt, unter Führung vonSi gismund Koributowitsch, dem Prokop Holy, und anderen Haupt-leuten. Vor der starken Stadt Aust kam es zur Schlacht (16. Juli 1426),der blutigsten von allen in diesem Kriege. Die Meissener, auf ihre Zahlund ihre starke Reiterei bauend, warfen sich auf die Wagen des czechi-schen Lagers auf der Anhöhe bei dem Dorfe Predlitz, wurden aber ab-geschlagen , zurückgeworfen und bis an die Grenzgebirge verfolgt. Infurchtbarer gegenseitiger Wuth gaben sich die Gegner keinen Pardon,und von den Deutschen fielen an 15 000 Mann, darunter eine Menge vombesten sächsischen und thüringischen Adel. Am nächsten Tage wurdeAust genommen und niedergebrannt.
Diese Niederlage der Deutschen brachte in ihren Ländern jenseitsder Berge nördlich von Böhmen solchen Schreck hervor, dass man da-selbst eilig und nachdrücklich Vertheidigungsmaassregeln gegen den Ein-fall der Czechen ergriff. Doch erfolgte ein solcher nicht, in Folge vonneuen Zerwürfnissen zwischen den Czechen. Während dessen belagerteAlbrecht von Oesterreich vergebens Brezlaw in Mähren; er wurde abervon Prokop Holy mit einem starken Heere von da vertrieben. ImFrühling 1427 drangen Taboriten und Orphaniten in Oesterreich ein undschlugen am 12. März das Heer Albrecht's in der blutigen Schlacht beiZwettel aufs Haupt, wobei 9000 Oesterreicher fielen. In Nieder-Böhmcnaber, im Kreise Pilsen f erlitten die böhmischen Gegner der Taboritenund Orphaniten grossen Verlust bei der Einnahme der Stadt Miess(Stribro), durch den schnellen Angriff Pribik 's von Klenow.
Trotz aller dieser Erfolge gelang es den Czechen doch nicht, nachNiederwerfung des Königs Sigismund in Böhmen eine andere Regie-rungsgewalt zu befestigen und damit Ordnung und Einvernehmen mit derwestlichen Kirche zu erzielen. Ihre einzige Hoffnung in dieser Beziehungging auf Sigismund Koributowitsch, erfüllte sich aber nicht, da erauf die Seite der gemässigten Partei gegen die exaltirte , und in Unter-handlungen mit Papst Martin V. trat. Das Volk erhob sich gegen ihn,