Die bemerkeiiswerthesten Kriege uud Feldzüge dieser Periode. ] 39
führten aber wieder zu Nichts, ausser zu einer,Spaltung unter den Tabo-riten selbst. Diejenigen, welche mit Ziska gleichen Sinnes waren,nannten sich Waisen, Orphaniten, ihres Vaters Ziska und bildeteneine besondere Bruderschaft mit eigenen Hauptleuten. Nach der Rück-kehr aus Mähren verthcilten beide Parteien, die alte und die neue Bruder-schaft, die Städte unter sich, welche mit ihnen im Bündniss gewesenwaren. Daraus entstanden Missverständnisse zwischen ihnen, welchejedoch bald beseitigt wurden und zu voller Uebereinstimmung führten.Mittelpunkt der alten Taboriten blieb Tabor, für die Neueren wurde esKöniggrätz, und der erste Hauptführer der Waisen war Kunesch ausBjelowitz, der Taboriten aber Johann Gwesda aus Vizemiliz.
§. 128.Kriege der Hussiten nach Ziska's Tode (1425—34).
Ziska's Tod und die zeitweiligen Zerwürfnisse zwischen Taboritenund Orphaniten hoben die gegnerische Partei der Utraquisten, welchedie Aussöhnung mit König Sigismund und die Wiederherstellung ge-ordneter Zustände in Böhmen wünschte. In Folge dessen entstand schonzu Anfang 1425 zwischen beiden Parteien ein grausamer und verderb-licher Krieg, bei welchem die Partei der Pany-Utraquisten unter derFührung von Sigismund Koributowitsch stand. Die Taboriten nah-men zuerst Leitoniischl, Mit, Gradez (Wünschelburg) und Slan (Schlon),suchten aber vergebens Prag in ihre Gewalt zu bekommen. Noch 2Burgen und 4 Festungen in Nord-Böhmen unterwarfen sich ihnen. End-lich belagerten und nahmen sie Woshiza, und hier wurde am 18. Okto-ber 1425 der Friede geschlossen.
Während dessen suchte König Sigismund abermals, doch umsonst,die Hülfe der Reichsfürsten zu gewinnen, es gelang ihm nur, seinenSchwiegersohn Albrecht von Oesterreich und den Markgrafen Fried-rich von Meissen auf seine Seite zu biingen. Der Erstere war schonwährend der Belagerung von Woshiza mit dem König Sigismund zu-sammen in Mähren eingedrungen und hatte zuerst Trebitza nehmenwollen. Die Prager, Taboriten und Orphaniten aber, die sich vereinigthatten, vertrieben ihn von Trebitza, drangen in Oesterreich ein undnahmen die Stadt Retez. Hier wurde der Taboritenhauptmann Bogus-law von Schwamberg tödtlich verwundet, und an seine Stelle trat Pro-copius Holy (d. h. der Geschorene) oder der Aeltere, der berühmtesteFeldherr der Taboriten, welcher aus Ziska's Schule hervorgegangen war.Von den Hauptleuten der Orphaniten waren die berühmtesten Kunscha,Jan Kralowez, Welen, und Prokop der Jüngere oder Prokopez.