Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
135
Einzelbild herunterladen
 

Die bemerkenswerthesteu Kriege und Feldzüge dieser Periode. 135

und warf durch plötzlichen Ueherfall der ungarischen Avantgarde Alle insolchen Schrecken und Furcht, dass Sigismund unter Anzündung vonGora, deren katholische Einwohner er mit sich nahm, weil sie sich fürch-teten daselbst zurück zu bleiben, in Unordnung zur mährischen Grenzezurückeilte. Ziska verfolgte und schlug seine Ileerhaufen zweimal,zuerst bei Xabern, wo Sigismund und Pi pa Widerstand leisten woll-ten, und dann bei Deutsch Brod, wo ausser dem Verluste an Leuten undMaterial auch noch einige hundert Mann von Sigismund's Reitereiunter das Eis der Sasawa gerathend umkamen (8. Januar 1422). In die-sen zwei Schlachten büsste Sigismund an 12000 Mann ein. Die Cze-chen vervollständigten ihren Sieg durch die Einnahme von Deutsch Brod,welches derart zerstört wurde, dass es ganze 7 Jahre lang unbewohntblieb. Bei Austausch der Gefangenen erreichten es die Czechen, dassihre Gesandtschaft nach Lithauen freigelassen wurde.

Auf diese Weise endete auch der zweite, mit so zahlreichen HeerenSigismund's und der Deutschen unternommene Kreuzzug in Böhmen,wie der erste, mit deren schimpflicher Niederlage und dem vollkommenenSiege der Czechen, unstreitig in Folge der hohen Begabung und KunstZiska's, des Schreckens, welchen er Sigismund und den Deutscheneinflösste, und dann auch wegen der ungenügenden Zusammensetzungund Organisation ihrer Heere.

Nach diesem zweiten Feldzuge verging lange Zeit, es gelang Sigis-mund durchaus nicht einen neuen Zug mit denselben oder grösseren Kräf-ten zu Stande zu bringen. Zwischen den czechischen Parteien entbrannteneuer Streit, Zank und Fehde, sowohl um religiöser Differenzen willen,als auch wegen des ehrgeizigen und habgierigen Strebens Einzelner. DerMittelpunkt dieser Streitigkeiten uud Unordnungen war wie gewöhnlichPrag. Während dessen aber hatte Vitold von Lithauen endlich einge-willigt König von Böhmen zu werden, und als seinen zeitweiligen Statt-halter seinen Neffen Sigismund, den Sohn Koribut's eingesetzt. Letz-terer sammelte mit Erlaubniss Wladislaw's von Polen in Krakau unge-fähr 5000 Mann polnische Truppen, mit welchen er den Czechen zu Hülfekam, zuerst in Böhmen, wo er die Stadt Ulkinow einnahm, und KönigSigismund zog sich vor ihm zurück nach Ungarn. Dann rückte Sigis-mund Koributowitsch in Böhmen ein, auf dem Reichstage zu Czaslauwurde er als der Statthalter von Vitold aufgenommen, zum 16. Mai 1422traf er in Prag ein und trat die Regierung daselbst an. Die zahlreichere,gemässigte und friedliebendere Partei, zu welcher auch Ziska sich be-kannte, erlangte das Uebergewicht, die gegnerische dagegen zog denStreit mit ihr und untereinander in die Länge.

Sigismund Koributowitsch unternahm, sobald er die Angelegen-heiten in Prag geordnet hatte, mit den Prägern und Polen die Belagerung