Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldziige dieser Periode. 131
Inmitten dieser Unruhen setzte Sigismund sich am 28. Juli in derSt. Veit's Kirche in Wyschegrad die Königskrone auf, entliess das Krouz-fahrerheer und ging ohne irgend Etwas ausgerichtet zu haben von Pragnach Kutna Gora (Kuttenberg) zurück. Von dieser Zeit an begann ereigenmächtig und in ungesetzlicher Weise czechische Kronsschätze, kirch-liche Kostbarkeiten, Krons- und geistliche Besitzthümer u. s. w. zu ver-geben. Die Prager bemächtigten sich ihrerseits zur Vergeltung allerHäuser und Besitzungen der Bürger (vorzugsweise deutscher), welchePrag verlassen hatten, und verwendeten sie zu Gunsten des Volkes. Aufdiese Weise war mit einem Schlage die 20.0jährige Herrschaft der Deut-schen vernichtet und das Band zwischen König und Volk zerrissen. DieTaboriten begannen die Klöster in Prag und der Umgegend zu zerstören,das erregte aber Unzufriedenheit unter den Bürgern, und Z i s k a , umnoch grösseren Streitigkeiten vorzubeugen, zog mit der Hauptmacht derTaboriten aus Prag in die südlichen Kreise, wo er (im Oktober) vieleStädte einnahm und eine Menge Gegner besiegte. Die Prager belagertenden Wyschegrad mit Hülfe der bei ihnen eingetroffenen Pany-Utraquisten(d.h. Solcher, welche das Abendmahl unter beiderlei Gestalt nahmen).Umsonst suchte Sigismund den Wyschegrad mit Proviant zu versorgen,da ihm dies nicht glückte, Hess er die Besitzungen der Pany-Utraquistenverbrennen und plündern. Als ein Heer aus Mähren zu ihm stiess, rückteer aus Kutna Gora mit 20000 Mann gegen die Belagerer des Wyschegrad,und lieferte ihnen vor dem Wyschegrad selbst eine Schlacht in der Ebenebei der Kirche des heiligen Pancratius. Die Besatzung des Wyschegradwurde durch Hunger gezwungen einen Vertrag zu schliessen, dass sieSi gi s m u n d in der Schlacht nicht unterstützen wollten, — aber Letztererwurde abermals geschlagen und ging in Unordnung auf Gora zurück.Der Wyschegrad ergab sich noch am selben Tage auf Capitulation, seineMauern gegen die Neustadt und der Hof, die Kirchen u. s. w., alle diealten Denkmäler des czechischen Ruhmes, wurden zerstört.
So hatte Sigismund in diesem Feldzuge keinen Erfolg gehabt,der Sieg über ihn hatte die Prager und Taboriten nur noch hochmüthigergemacht, und von beiden Seiten wurden zahllose Grausamkeiten began-gen, welche die gegenseitige Wuth noch steigerten.
Sigismund suchte von Neuem ein Heer bei Kutna Gora und dannin Leitmeritz zusammen zu bringen. Dieses Heer plünderte und verwü-stete die Güter der Taboriten-Pany, erschlug und verbrannte die Bewoh-ner u. s. w. Inzwischen rückte im Januar 1421 Ziska nach Pilsen,belagerte es, nahm dort das befestigte Kloster, Burgen und Städte.Sigismund zog gegen ihn, und rief die Herzöge von Bayern zu Hülfe.Ziska eilte, nachdem er in die eroberten festen Plätze Besatzungen gelegthatte, nach Tabor, um dort Truppen zu sammeln, und ging die Prager
9*