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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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130 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.

Endlich, Ende Juni, erschien von Deutschland ein zahlreiches (etwa10000 Mann starkes deutsches Kreuzfahrer-Heer unter Führung von 3geistlichen Kurfürsten, dem Kurfürsten von der Pfalz, dem MarkgrafenFriedrich von Hohenzollern Brandenburg, 3 Herzögen von Bayern,2 Markgrafen von Meissen, und später auch noch dem jugendlichen Her-zog AlbrechtV. von Oesterreich. Nach ihrer Vereinigung ritt Sigis-mund am 30. Juni im Triumph in das Prager Schloss ein, das verbün-dete Heer aber lagerte im Felde zwischen dem Schloss und den könig-lichen Gärten an dem linken Ufer der Wltawa. Da- das Prager Schlossund der Wyschegrad in Sigismund's Händen war, so musste die Ver-theidigung von Prag sich auf die Lisieren der Altstadt und des grösserenTheiles der Neustadt beschränken. Nur die Thürme an der Brücke derKleinseite boten dem Sturme auf dieselbe ein Hinderniss; die Neustadtwar, ausgenommen den Theil unter dem Wyschegrad, mit einem Wallumgeben, zum Schutze gegen die Angriffe der Besatzung des Letzteren.Trotz alledem aber umschanzte Ziska den Witkower Berg westlich vonPrag mit einem Wall (der Berg wurde von da ab Zizkasberg genannt),um die Zufuhr von Lebensmitteln abzuschneiden, und dadurch bedrängteer das Heer Sigismund's auf dem linken Wltawa-Ufer.

Zwei Wochen vergingen nach Sigismund's Einzüge in das PragerSchloss mit unwichtigen Scharmützeln. In dieser Zeit setzten die Hussi-ten in Prag die vier Hauptpunkte ihres Glaubensbekenntnisses und ihreFriedensbedingungen auf und schickten sie an den päpstlichen Legatenbeim Kreuzheere, die Antwort führte aber nicht zum Frieden. Am14. Juli unternahm das verbündete Heer einen allgemeinen gleichzeitigenAngriff auf die Schanzen der Kleinseite, auf die Neustadt vom Wysche-grad aus, und mit den Hauptkräften auf den Witkower Berg. Ausserdemging ein starkes Corps deutscher Truppen über die Wltawa auf das Spi-täler Feld. Die meissensche und thüringische Keiterei, 7 8000 Mannstark, trat auf dem Witkower Berge in den Kampf. Bei diesem hart-näckigen und blutigen Treffen fochten auf Seite der Taboriten auch dereuWeiber mit. Endlich aber verblieb der Sieg den Taboriten, welche ausder Stadt Verstärkungen erhalten hatten, die nächsten Stadtthore warendie ganze Zeit über offen geblieben. Die deutsche Reiterei wurde densteilen Berghang auf das Spitaler Feld hinabgeworfen und bis an dieWltawa verfolgt, verlor viele im Kampf Gefallene oder im Flusse Ertrun-kene, und der Angriff auf Prag blieb diesen Tag ohne jeglichen Erfolg.Dies versetzte Sigismund in Bestürzung, sein Heer in Schrecken, so-dass die deutschen Fürsten keine zweite Schlacht mehr wagen wollten.Im Lager Sigismund's wurde ein Rath zusammen berufen, um überdie 4 Prager Punkte oder Vorschläge zu berathen, doch blieb dies ohneResultat, ja es kam sogar zu Streitigkeiten zwischen den Belagerern.