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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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128 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjiihrigen Kriege etc.

treffen Sophie, die Wittwe Wenzeslaw's, zur Statthalterin und gabihr als Batligeber den Herrn (Pan) Czenek aus Wartenberg bei. Die An-führer aber der auf den Bergen versammelten Hussiten waren so erbittertgegen Sigismund, dass sie am 10. November 1419 mit einer grossenbewaffneten Volksmenge unter Befehl von N i c o 1 a u s aus Hussinetz undJohann Ziska nach Prag zogen, in die Stadt drangen und sich Tagund Nacht mit den Truppen der Königin herumschlugen, welche in ihrLandschloss geflohen war. Endlich aber schlössen sie einen Waffenstill-stand bis zum St. Georgstage 1420, und Hessen den Wyschegrad derKönigin, welche imUebrigen ihre Truppen aus Prag herausziehen musste.

Im Dezember 1419 traf Sigismund aus Ungarn in Brunn ein,knüpfte Unterhandlungen mit den Hussiten und Pragern an, versprachihnen Alles, wendete sich dann aber nicht nach Böhmen, sondern nachSchlesien, um dort Truppen gegen sie zu werben. In Hoffnung hieraufgingen die Pany (Herren) Anhänger Sigismund's und Gegner derHussiten in Prag und den übrigen Städten sehr grausam mit den Hussitenum. Dadurch gereizt, entwichen die Führer der Hussiten Nicolausnach Selena oder auf den Eleonschen Berg, von wo ihn jedoch die Panyvertrieben, und Ziska nach Pilsen, wo er sich festsetzte und gegensie behauptete. Einige Hussiten aber hatten sich in einem verödetenStädtchen auf dem Berge Tabor festgesetzt, wo sie eine neue hölzerneFestung Tabor erbauten. Ziska, von den Pany in Pilsen bedrängt,schloss mit ihnen einen Waffenstillstand, wandte sich mit seinem Haufennach Tabor, wurde unterwegs zweimal von Anhängern Sigismund'sangegriffen, schlug sie jedoch beide Male. Von nun an wurde Tabor derHauptmittelpunkt der Hussiten in Böhmen und sie nannten sich danachTaboriten. Hier wuchs ihre Zahl bedeutend, es wurde eine religiöseund politische Gemeinde gebildet, der bewaffnete Aufstand gegen Sigis-mund und seinen Anhang in Böhmen erklärt, und ein Heer forinirt unterden vier Anführern: Ziska (Oberfeldherr), Nicolaus von Hussinetz,Chwal aus Shepitz und Zbinek aus Buchow (1420). Die Organisationdieses Heeres ist schon früher angegeben (§. 113).

Während dessen hatte Sigismund in Breslau Truppen aus Schle-sien, Lausitz, Mähren und Ungarn gesammelt und Papst Martin V. einenKreuzzug gegen die Hussiten erklärt, und viele Deutsche kamen zuSigismund. Er berief eine Versammlung der Eeichsfürsten nachBreslau und kam mit ihnen überein, dass sie in Böhmen von Westen hereindringen sollten, während er gleichzeitig von Norden einbräche. In-zwischen fielen in Breslau einige Anhänger der hussitischen Lehre inseine Hände, von welchen er einen, den Prager Bürger, Johann Krassy,hinrichten Hess.

Die Kunde davon erbitterte die Hussiten noch mehr gegen Sigis-